Ostdeutschland verbietet Jehovas Zeugen
Gemäss einer Meldung in der New York Times vom 31. August wurden am 30. August in Magdeburg, Sowjetzone, 60 Zeugen Jehovas verhaftet und eingesperrt. Der Bericht sagt, dass während vergangener Monate die Zeugen „zu Dutzenden gefangengenommen, ihre Versammlungen gesprengt und verschiedene Personen unter ihnen von der Polizei schwer geschlagen worden seien unter der Begründung, sie bedrohten den Frieden. Beständig sind in der Kommunistenpresse Anklagen wider sie erhoben worden, dass sie Spione und Saboteure im Solde der ‚Imperialisten‘ der Vereinigten Staaten seien“.
Dann, am 5. September, brachte die New York Daily News eine Meldung von der United Press, datiert vom 4. September, die besagte: „Die ostdeutsche Kommunistenregierung verbot Jehovas Zeugen in der Sowjetzone heute unter der Beschuldigung, ihre Mitglieder, deren Zahl auf 25 000 geschätzt werde, trieben ‚Spionage für eine fremde, imperialistische Macht‘ . . . Dies war die erste formelle Aktion gegen die Organisation durch die Kommunistenregierung, obwohl sie in den vergangenen Wochen einen Propagandafeldzug wider Jehovas Zeugen durchgeführt und ein kleines Heer von Männern und Frauen dazu bestimmt hat, die Mitglieder Tag und Nacht zu beobachten.“ Die New York Times berichtete ebenfalls über diese Sache und fügte bei: „Gestern wurde aus zuverlässigen Quellen aus dem Osten berichtet, die Führer der Gruppe hätten bestätigt, dass 500 Mitglieder letzten Mittwoch durch eine Geheimpolizei-Razzia im Hauptbüro Magdeburg festgenommen worden seien.“
Am 6. September veröffentlichte die New York Times folgende Reuter-Meldung vom 5. September: „Die ostdeutsche Sicherheitspolizei hat in den vierundzwanzig Stunden, seitdem die ostdeutsche Regierung die Sekte verboten hat, 1000 Zeugen Jehovas ins Gefängnis geworfen, so erklärte heute ein Wortführer der Zeugen . . . Die ‚illegalen Pamphlete‘, die sich angeblich in den Büros der Sekte vorfanden, waren biblische Literatur, die in mehr als neunzig Sprachen veröffentlicht wird und in der ganzen Welt erhältlich ist.“
In der Schweiz veröffentlichte das Berner Tagblatt vom 4. September auf der Titelseite folgendes: „Ein Vertreter der Sekte erklärt, dass der von den Kommunisten eingeleitete Feldzug gegen die Sekte zu einer Verfolgung geführt habe, die schlimmer als diejenige der Gestapo sei. Die Gestapo habe die Sektenangehörigen als Freunde der Kommunisten und Juden bezeichnet. Heute würden sie als ‚Agenten des amerikanischen Imperialismus‘ angeklagt. Die Sekte werde sich einem diktatorischen Zwang nie beugen. Sie werde auch nicht aufhören, in der Sowjetzone das Evangelium zu predigen.“