Bodybuilding war für mich das wichtigste im Leben
SCHLÄGEREIEN auf der Straße und Raufereien zu Hause waren in meinem Leben etwas Alltägliches, aber ich zog immer den kürzeren. Ich kam mir vor wie ein Ausgestoßener. Daher beschloß ich, etwas zu unternehmen. Meine Entscheidung führte mich auf einen Weg, auf dem ich schließlich „Mr. Universum“, der am vollkommensten entwickelte Mann der Welt, werden wollte.
Strenge Diät und Gewichtstraining wurden ein Bestandteil meines Lebens, und ich liebte jeden Augenblick dieses Lebens. Alles andere war e i n e m Ziel untergeordnet: Ich wollte das Ideal der Männlichkeit erreichen. Mein Körper nahm allmählich Form und Gestalt an. Im Laufe der Zeit konnte ich metallene Nummernschilder in Stücke reißen und mit schweren Gewichten Kraftakte vollbringen. All das stärkte mein männliches Selbstbewußtsein.
Wenn ich mich an Wettkämpfen beteiligte, tat ich es nur mit einem Gedanken: Ich wollte schließlich der muskulöseste Mensch der Welt werden. Titel und Trophäen wie „Mr. Algoma — der Muskulöseste“ (1962) und „Junior Mr. Canada“ (1965) begannen sich anzusammeln.
Die Motorradmanie
Neben meinen Bemühungen in Verbindung mit dem Bodybuilding beteiligte ich mich an Motorradrennen. Eine berauschende Mischung von Ruhm und Berüchtigtsein war die Folge von Wettkämpfen in verschiedenen Teilen der Vereinigten Staaten und Kanadas.
Es war nur noch ein kleiner Schritt, mich Motorradbanden anzuschließen. Bald wurden meine Gefährten eine Bande heulender, halbberauschter Vagabunden. Ich rüstete mich mit einem deutschen Helm, mit Hakenkreuzen, Ketten und Peitschen aus. Als Bande belästigten wir unschuldige Leute und erregten Schrecken von der kanadischen Grenze bis zum Staate Florida. Während dieser Zeit tierischer Ausschweifung erlebte ich Drogenparties, bei denen die Teilnehmer auf die tiefsten Stufen der Entartung sanken. Daß ich ein Mitläufer in dieser Menge war, brachte mir schließlich eine Gefängnisstrafe ein.
Nach meiner Entlassung hatte ich fast kein Geld mehr, und ich fuhr mit meinem Motorrad in Richtung Heimat. Das war eine lange Reise, und ich hatte viel Zeit zum Nachdenken. Ein Gedanke, der mir bei dieser Reise oft durch den Sinn ging, war: Wenn ich diese Art von Gesellschaft weiterhin pflege, werde ich eher den Tod finden, als Anwärter auf den Titel Mr. Universum zu sein.
Ein Erwachen
Ein tiefes Gefühl der Abscheu überkam mich. Der Lebensweg, den ich bis dahin verfolgt hatte, war nichts als Nichtigkeit. Wohin hatte er mich gebracht? Noch einmal überwältigte mich fast dieses jugendliche Gefühl, ein Ausgestoßener zu sein. Aber nun begann irgend etwas in mir zu erwachen. Fragen kamen mir in den Sinn. Damals dachte ich, es habe daran gelegen, daß ich einem bestimmten religiösen Radioprogramm zugehört hätte. Ich begann mich zu fragen: Ist die Bibel wirklich das Wort Gottes? Gibt es unter all den vielen verschiedenen Religionsgemeinschaften der Welt eine Religion, die Gott gutheißt?
Obwohl ich mich damals ernsthaft mit diesen Fragen beschäftigte, wurden sie allmählich in den Hintergrund gedrängt und blieben unbeantwortet. Warum? Weil ich wieder zugelassen hatte, daß das Körpertraining für mich das wichtigste im Leben war. Die Mr.-Canada-Show des Jahres 1970 rückte näher. Ich hatte wirklich den Höhepunkt meiner Körperkraft erreicht. Wenn ich diesen begehrten Preis gewinnen würde, so wäre dies ein Sprungbrett dazu, mein höchstes Lebensziel zu erreichen — der am vollkommensten entwickelte Mann der Welt zu sein.
Trotzdem war ich unruhig. Ich hatte jetzt keine wirkliche innere Befriedigung mehr durch mein Training. Jene Fragen beschäftigten mich immer noch, obwohl ich sie in meinem Sinn zurückgedrängt hatte. Wo könnte ich wahre und befriedigende Antworten finden? Wegen meiner Enttäuschung hatte ich aufgehört, zur Kirche zu gehen. Vielleicht konnte ich durch jenes religiöse Radioprogramm die Antworten finden. Aber nein — die Antworten, die ich dort erhielt, konnten meinen geistigen Hunger auch nicht stillen.
Das Licht der Wahrheit beginnt zu leuchten
Etwas früher hatte ich einen alten Bekannten in einer Wäscherei getroffen. Er hatte kurz über Religion gesprochen und mir erzählt, er sei ein Zeuge Jehovas. Obwohl unsere Unterhaltung interessant war, schenkte ich der Sache damals keine weitere Beachtung. Dann traf ich wieder einmal meinen Freund, der ein Zeuge Jehovas war. Diesmal sprudelten mir die Fragen aus dem Mund. Ganz ungezwungen begannen wir über meine Kirche zu sprechen, die auf der gegenüberliegenden Straßenseite stand. Er erklärte mir den Ursprung verschiedener Symbole, zum Beispiel des Kreuzes auf dem Dach und des Standbildes Jesu, das vor der Kirche stand. Da mein Interesse geweckt worden war, stellte ich weitere Fragen über andere Dinge, die Katholiken im allgemeinen glauben. Er zeigte mir, daß Lehren wie die Lehre von einer Höllenqual für die Bösen oder von einem Fegefeuer für diejenigen, die in läßlicher Sünde sterben, in der Bibel nicht gelehrt werden. Andere grundlegende Lehren wurden mir ebenso klar.
Aber war dies wirklich die Wahrheit? Das mußte ich nun herausfinden. Weitere Nachforschungen in Büchern über verschiedene Religionen erwiesen sich als enttäuschend, und doch bewirkten sie eines: Ich kam zu der Erkenntnis, daß allein das, was mein Freund mir aus der Bibel erklärt hatte, den Klang der Wahrheit hatte.
Bald fingen wir an, regelmäßig die Bibel zu studieren. Erstaunlicherweise begann die Unruhe und die Ungewißheit in meinem Sinn einem inneren Frieden zu weichen, den ich nie zuvor erlebt hatte. Niemals zwang mir mein Unterweiser irgend etwas auf. Er erörterte einfach mit mir biblische Lehren auf eine milde und freundliche Weise. Nun fühlte ich mich zu dem wunderbaren Gott dieses freundlichen Mannes hingezogen, der mich lehrte, und nicht zu einem Geschöpf.
Eine wichtige Entscheidung
Zwei Wege standen mir nun offen. Welchen würde ich einschlagen? Der Weg, den ich gegenwärtig ging, konnte mich schließlich zum Höhepunkt menschlicher Stärke und zu einem vollendeten Körperbau führen und mir Ehre von Menschen einbringen. Aber was wäre, wenn ich diesen Gipfel des Erfolges erreicht hätte? Nichts wies darauf hin, daß ich danach eine wirklich glückliche Zukunft hätte. Andererseits würde es gemäß der Heiligen Schrift Gottes Gunst und Segen bedeuten, den ‘eingeengten Weg, der zum Leben führt’, zu gehen. Wenn ich diesen Weg ginge, könnte ich endloses Leben, einen vollkommenen Körper und einen vollkommenen Sinn erlangen, obwohl ich mir jetzt das Mißfallen von Menschen zuziehen würde. Ich betete zu Jehova, und das half mir, die wichtigste Entscheidung meines Lebens zu treffen.
Das Nachdenken über bestimmte Bibelstellen war mir auch eine Hilfe. Einer dieser Texte war 1. Korinther 1:31: „Wer sich rühmt, rühme sich in Jehova.“ Würde ich das tun, wenn ich den Titel Mr. Universum anstrebte? Nein, das wäre genau das Gegenteil. Ferner veranlaßten mich die inspirierten Worte des Apostels Paulus aus 1. Timotheus 4:7 zum Nachdenken: „Übe dich andererseits mit Gottergebenheit als deinem Ziel.“ Offensichtlich war es erforderlich, daß ich mich auf einem anderen Gebiet übte.
Sogleich ging ich zu meinem Manager und zu meinem Trainer und erklärte, es sei nicht länger mein Lebensziel, Mr. Universum zu werden, und ich würde an keiner öffentlichen Veranstaltung mehr teilnehmen, die mir Ruhm einbrächte. Sie bekamen einen Wutanfall und ergingen sich in Obszönitäten gegen mich und verfluchten sogar den Namen Jehovas. Ich hielt jedoch an meinem Entschluß fest. Um jene Zeit wurde ich sehr ermutigt, als eine Zeitung den Fall eines berühmten Fußballspielers in England berichtete, der einen Millionen-Dollar-Vertrag abgelehnt hatte, um als ein Zeuge Jehovas den Fußstapfen Jesu nachzufolgen.
Als nächstes entschloß ich mich, meinen Austritt aus der katholischen Kirche zu erklären. Die Erfahrung, die ich mit meinem Trainer und meinem Manager gemacht hatte, hatte nur dazu gedient, mich in meinem Entschluß zu stärken. Hier war ich nun, Auge in Auge mit dem Priester, und erklärte ihm, daß ich kein Mitglied seiner Kirche mehr sein wolle. Er schaute mich erstaunt an, als ich meinen Wunsch vorbrachte, ein Zeuge Jehovas zu werden. Ungehalten rief er aus, Jehovas Zeugen hätten mich einer Gehirnwäsche unterzogen. Ich erwiderte, das, was ich lerne, sei die Wahrheit und es sei vollkommen in Übereinstimmung mit Gottes Wort, der Heiligen Schrift. Das rief die zornige und unerwartete Entgegnung hervor: „Man kann nicht alles glauben, was in der Bibel steht!“ Das versetzte mir wirklich einen Schock, denn ich dachte daran, wie oft er die Bibel geküßt und mit größter Verehrung behandelt hatte, wenn er vor der Gemeinde stand. Nun, hinter geschlossenen Türen, gab er zu verstehen, daß der große Gott des Universums nicht vertrauenswürdig sei — daß man seinem Wort nicht in seiner Gesamtheit glauben könne. Jetzt zeigte dieser Mann sein wahres Gesicht.
Mir kam wieder etwas in den Sinn, was er unserer Familie gesagt hatte, als mein Vater mit 61 Jahren starb. „Euer Vater wird für seine Sünden einundsechzig Jahre im Fegefeuer bleiben.“ Aber das müsse nicht unbedingt so sein, denn je mehr Geld wir für die Messe zugunsten meines Vaters gäben, desto kürzere Zeit müsse er in diesen Qualen leiden. Der Priester hatte uns jedoch nie erzählt, was die Bibel sagt: „Was die Toten betrifft, sie sind sich nicht des geringsten bewußt.“ (Pred. 9:5) Dieser Mann hatte sich an einer der größten Gaunereien beteiligt, die je an der Menschheit verübt wurden. Welch eine Schmach wurde doch dadurch auf den Namen des wahren Gottes gebracht! Doch er weigerte sich, meinen Namen aus dem Kirchenregister zu streichen oder mir meinen Taufschein zu geben.
Es war sinnlos weiterzusprechen, und so verließ ich ihn und ging zum Rathaus, wo ich meinen religiösen Status als Katholik abändern und mich als Zeuge Jehovas eintragen ließ. Kurz darauf rief ich meinen Arzt an und sagte ihm, er solle kein Blut verwenden, falls ich oder jemand anders aus meiner Familie einmal operiert werden müsse, denn ich hatte gelernt, daß es in der Heiligen Schrift heißt, wir sollten uns ‘von Blut enthalten’. (Apg. 15:20) Als nächstes trat ich aus der politischen Partei aus, der ich angehört hatte, denn ich wußte, daß sich Jesus geweigert hatte, sich in Politik einzumischen, und ich wollte sein Jünger werden. (Matth. 4:8-10; Joh. 6:15; 17:16)
Doch mir stand noch eine weitere Prüfung bevor. Ich bekam eine Einladung, mit einem anderen Priester zusammenzukommen und mit ihm zu sprechen. Man wollte mich immer noch für die katholische Kirche zurückgewinnen. Bei dieser Gelegenheit half mir Jehova wirklich, während ich seiner Leitung vertraute. Bei unserer Besprechung kam das Verhältnis, das der Papst und die Priester zu Hitler hatten, zur Sprache. Ich fragte: „Haben Sie schon einmal Jakobus 4:4 gelesen, wo es heißt: ,Ihr Ehebrecherinnen, wißt ihr nicht, daß die Freundschaft mit der Welt Feindschaft mit Gott ist?‘?“ Darauf erwiderte er: „Das hat mit unserer Sache hier nichts zu tun.“
Ich erinnerte ihn jedoch daran, daß der Papst anläßlich seines Besuches bei den Vereinten Nationen gesagt hatte: „Wir stehen heute als Freund vor Ihnen.“ „Ist das kein geistiger Ehebruch?“ fragte ich ihn. Er wurde sichtlich nervös. Dann sagte ich, die katholische Kirche sei ein wesentlicher Teil Babylons der Großen, die in der Offenbarung beschrieben werde. „In Offenbarung 17:1-4 heißt es“, so erklärte ich, „daß sie in scharlachfarbenen Gewändern als Königin dasitzt und daß sie religiöse Hurerei mit den Königen der Erde begeht.“ Bei diesen Worten geriet er in Zorn und stürmte aus dem Zimmer. Sein Verhalten diente dazu, mich in meinem Glauben an Jehovas Wort und seine Wege mehr denn je zu stärken, und ich dankte Jehova, daß er mir den Mut gegeben hatte, offen die Wahrheit zu sagen.
Von da an habe ich nur den Souveränen Herrn Jehova als „meine Stärke“ anerkannt. Ich sehne mich nicht mehr danach, Ruhm als Mr. Universum zu erlangen. Die Bibel hat meine Ansicht über das Leben geändert. Die Wahrheit hat mich von den nichtigen Wünschen befreit, die ich einmal anstrebte. Ich weiß jetzt, daß „die Leibesübung ... zu wenigem nützlich [ist]; Gottergebenheit aber ... eine Verheißung auf gegenwärtiges und künftiges Leben hat“, wie es in 1. Timotheus 4:8 erklärt wird.
Nun habe ich Freude und Glück im Leben gefunden. Es ist mein ernsthafter Wunsch, meine körperliche Kraft und Fähigkeit zu gebrauchen, um das Herz Jehovas, des Allmächtigen im Universum, zu erfreuen. — Eingesandt.