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Erwachet! 1980
g80 22. 2. S. 11-14

Zwei Lehrerinnen erzählen, warum sie ihren Beruf aufgaben

„Es kam so weit, daß ich mich fürchtete, vor die Klasse zu treten. Das war für mich das Zeichen zum Aufhören.“

SEIT Jahren sind die amerikanischen Pädagogen bemüht, eine Antwort auf die Frage zu finden: „Warum lesen unsere Kinder so schlecht?“ Doch schon in der ersten Klasse sind die Schüler, die sich an das mühsame Geschäft machen, Gedrucktes lesen zu lernen, manchmal dadurch gehandikapt, daß sie hintereinander zwei bis drei verschiedene Lehrer haben. Während sich die Erstklässer mit dem Lesenlernen abplagen, kämpfen die Schulverwaltungen mit dem Lehrerwechsel und zerbrechen sich den Kopf, warum die Lehrer nicht mehr unterrichten können.

Was geht in den Schulen vor? Warum geben erfahrene, gute Lehrer ihren Beruf auf und wenden sich einer anderen Arbeit zu? Auch mir wurde diese Frage gestellt, weil ich meinen Beruf mehr als zehn Jahre vor dem Rentenalter aufgegeben habe.

Wie es war

Ich stamme aus einer Lehrerfamilie. Als Kind spielte ich mit meinen Puppen Schule und freute mich auf die Zeit, in der nicht Puppen und Teddybären, sondern richtige Kinder meine Schüler sein würden. Schließlich war es soweit. Meine eine erste Klasse waren Jungen im dritten Schuljahr.

Ich begann drei Monate nach Beginn des Schuljahres mit dem Unterrichtgeben. Die Klasse hatte in den drei Monaten schon zwei Lehrerinnen gehabt. Triumphierend verkündete sie es mir, und einer der Knirpse sagte vorwitzig: „Wir haben beide davongejagt.“ Ich überhörte die Äußerung und verwickelte die Jungen in ein Gespräch, in dem sie mir über ihre Heimtiere erzählten. Jeder wußte noch etwas Lustigeres über sein Tier zu erzählen als sein Vorgänger. Schließlich fragte ich einen der Jungen: „Was tust du, wenn dein Hund dich anspringt und mit dir spielen möchte, du aber keine Lust dazu hast?“

„Ich schieb’ ihn einfach weg.“

„Was aber, wenn du ihn von dir schieben würdest und er nie mehr zurückkäme?“

„Das würde er niemals tun.“

„Warum nicht?“

„Weil er mich mag!“

Leise sagte ich: „So ist es auch mit mir. Nachdem ich euch allen zugehört habe, weiß ich, daß ich euch mag. Ich werde es auch so machen wie dieser kleine Hund. Ich lass’ mich ab und zu von euch wegschieben; aber weil ich euch mag, könnt ihr mich nicht wegjagen. Einverstanden?“

Damit hatte ich die Klasse gewonnen. Das war in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg.

Wie alle Lehrer, so hatte auch ich meine Lieblingsunterrichtsthemen. Eines davon war „Aufstieg und Niedergang der Weltmächte“ in der Sozialkunde für Sechsklässer. Ich war erstaunt, wie genau das Lehrbuch mit der biblischen Geschichte übereinstimmte. In der Lehrerausgabe des Lehrbuches Living in the Old World wurde sogar empfohlen, die Schüler die Geschichte von Nebukadnezar und seinem Traum im 2. Kapitel des Buches Daniel, das vom Aufstieg und Niedergang der Weltmächte handelt, lesen zu lassen.

Es waren schöne Jahre, und das Unterrichten machte Freude. Die Zeit verflog im Nu. Als ich aufhören mußte, weil ich ein Kind erwartete, hatte ich meinen Beruf schon mehr als 10 Jahre ausgeübt.

Ende der 1960er Jahre begann ich, wieder Unterricht zu geben. Jetzt hätte es mir noch mehr Freude bereiten sollen, weil mein eigenes Kind ebenfalls in der Schule war. Aber es war alles anders.

Wie es ist

Die Respektlosigkeit auf jeder Ebene war erschreckend. Die Schüler respektierten die Lehrer kaum, aber in vielen Fällen zeigten auch die Junglehrer gegenüber dem Rektor keinen Respekt. Früher war es einfach gewesen, im Klassenzimmer Disziplin zu halten, jetzt dagegen war es so gut wie unmöglich. Diese Elfjährigen verfügten über ein unheimliches Repertoire an Flüchen. Es kam so weit, daß ich mich fürchtete, vor die Klasse zu treten. Das war für mich das Zeichen zum Aufhören.

Ich beschloß, frühere Kollegen, Lehrerinnen und Rektoren, zu fragen. Auch ehemalige Schüler, die bereits Eltern von schulpflichtigen Kindern waren, fragte ich.

Am meisten beklagten sie sich über die Zucht, das heißt über den Mangel an Zucht. Eine Lehrerin sagte: „Man hat das Gefühl, den Tag gut überstanden zu haben, wenn man von einem Ende des Flurs bis zum anderen gehen konnte, ohne angerempelt worden zu sein.“

Sie brachten verschiedene Gründe für den Zusammenbruch der Schulzucht vor, aber als Hauptgrund führten alle den „Mangel an Respekt vor einer Autoritätsperson“ an. Ein Rektor meinte: „Viele Kinder wissen schon, bevor sie in die Schule kommen, daß ihre Eltern keinen Respekt vor der Regierung haben, und außerdem glauben viele Eltern nicht mehr an einen Gott. Für das Kind sind die Eltern die höchste Autorität. Wenn Kinder ihre Eltern nicht respektieren, was können dann die Lehrer erwarten?“

Ich fragte eine Lehrerin, die schon über 25 Jahre Unterricht gibt, wieviel man in der Schule über sittliche Grundsätze sagen dürfe. Sie entgegnete, daß die Junglehrer anders denken würden als die älteren Lehrer und daß die erfahrenen Lehrer vorsichtig sein müßten, um nicht auf das Gebiet der Religion überzugreifen. Eine Lehrerin sagte: „Als das Schulgebet abgeschafft wurde, hatten wir keine Chance mehr.“

Viele sind der Ansicht, die Lockerung der Kleidervorschriften sei das Grabgeläute für die Schuldisziplin gewesen. Interessant war folgende Äußerung: „Die Schüler begannen so zu denken, wie sie sich kleideten. Als wir glaubten, schlimmer könne es nicht mehr kommen, fingen sie an, sich so zu kleiden, wie sie dachten.“ Fast alle Lehrer teilten die Meinung: „Je anständiger die äußere Erscheinung eines Schülers, desto besser seine Leistungen.“ Eine Lehrerin sagte sinnend: „Wenn sie sich in schmuddeligen Blue jeans, die oberen Blusenknöpfe offen, in den Stuhl flegeln, verraten die Gesichter, die einen anstarren, alles andere als Lerneifer.“

Wie es sein wird

Das sind zwar alles negative Äußerungen, doch daraus darf man nicht schließen, daß alle Schüler eine rebellische Einstellung haben. Schülern, die den Lehrern Freude machen, sei gesagt: „Euretwegen gibt es noch Lehrer. Ihr alle seid das Opfer einer sich wandelnden Welt.“ Ein ehemaliger Schüler faßte das wie folgt zusammen: „Anfang der 60er Jahre glich die Welt einem Kreisel, der wie unsinnig wackelt; und gewackelt hat sie seither. Man fragt sich, ob sie je wieder ins Gleichgewicht kommen wird.“

Ich mußte an den Sozialkunde-Unterrichtsstoff für Sechsklässer denken, der sich mit dem Aufstieg und Niedergang der Weltmächte — auch der heutigen, die ganz bestimmt am Wackeln ist — befaßte. Wie schön wird es sein, wenn diese ebenfalls der Macht weichen muß, die in den Geschichtsbüchern nicht erwähnt wird, wohl aber in der Bibel, dem ältesten Lehrbuch des Menschen: Gottes Königreich unter Christus Jesus. Dann wird das Unterrichten wieder eine Freude sein (D. B.).

„Es war an der Zeit, den Versuch aufzugeben, die Flut von gleichgültigen Eltern, interesselosen Lehrern und verwahrlosten Kindern einzudämmen.“

ENDE der 50er Jahre machte ich an einer Schule im Süden der Vereinigten Staaten das Abitur. Damals wurden Rektoren und Lehrer noch hochgeachtet. In den Klassenzimmern herrschte eine vorbildliche Disziplin. Das Schlimmste, was damals passierte, war, daß sich ab und zu ein paar Jungen hinter einem Busch versteckten, um zu rauchen. Von den Problemen, die es in der Stadt New York bereits gab, hatten wir keine Ahnung. Erst als der Film „Rock Around the Clock“ (Außer Rand und Band) lief, erfuhren wir etwas davon. Wir waren entsetzt und konnten es kaum glauben. Eine solche Gewalttätigkeit und Respektlosigkeit wäre bei uns absolut undenkbar gewesen.

Im Laufe der Jahre las ich immer und immer wieder von der Aufsässigkeit der Jugend. Das bereitete mir solche Sorgen, daß ich mich, als mein erstes Kind in die Schule kam, entschloß, mich um eine Lehrerstelle zu bewerben. So konnte ich den Trend verfolgen und meinen Einfluß geltend machen.

In den sechs Jahren, in denen ich unterrichtete, erfuhr ich, daß sich vieles zum Nachteil verändert hatte. Die Rektoren besaßen sozusagen keine Autorität mehr. Sie hatten in bezug auf die Lehrerschaft nichts mehr zu sagen. Die Schulbehörde schickte ihnen die Lehrer, und sie mußten sie einfach akzeptieren. Erwies sich ein Lehrer als unqualifiziert, konnte der Rektor nichts machen. Viele unserer „altmodischen“ guten Lehrer waren in den Ruhestand getreten, und die Lehrer, die sie ersetzten, waren unmöglich. Nicht wenige sprachen ein ganz schlechtes Englisch — Gassenenglisch. Einige stritten sich offen mit anderen und zeigten sich in Fragen der Rasse und Religion außerordentlich engstirnig.

„Schlüsselkinder“

Die Mütter von über 90 Prozent unserer Schüler — vom Kindergarten an bis zur siebenten Klasse — waren berufstätig, und mindestens 50 Prozent der Kinder waren Scheidungswaisen. Viele berufstätige Eltern brachten die Kinder, schon eine Stunde bevor die Türen des Schulhauses geöffnet wurden, in die Schule, damit sie rechtzeitig am Arbeitsplatz sein konnten.

Ich stellte auch fest, daß meine Schüler nie Gelegenheit hatten, mit Erwachsenen ein Gespräch zu führen. Ihre Eltern sagten ihnen zwar, was sie zu tun hatten, aber sie unterhielten sich nie richtig mit ihnen. Anscheinend war ich die einzige erwachsene Person, die ihnen zuhörte und ihnen ab und zu ein Lob spendete. Bei Elternabenden — meist kamen nur wenige Eltern — empfahl ich den Eltern, sich ihren Kindern jeden Abend wenigstens 30 Minuten zu widmen, sie zu fragen, wie sie den Tag verlebt hätten, was in der Schule gelaufen sei usw. Viele Kinder berufstätiger Eltern sahen diese wochentags jeweils nur zwei Stunden am Abend, und die Kinder von Eltern, die Schicht arbeiteten, sahen ihre Eltern nur zwei Tage in der Woche — am Wochenende.

Klassenclowns: Kinder aus Halbfamilien

Ich machte die Erfahrung, daß die Klassenclowns und die Störenfriede der Klasse aus Halbfamilien stammten oder Schlüsselkinder waren. Sie hungerten nach Liebe und Aufmerksamkeit und taten alles mögliche, um beachtet zu werden. Sie hielten treu zu ihren Eltern und gaben mit ihnen an. Ich merkte, daß sie damit eigentlich zum Ausdruck bringen wollten: „Ich möchte, daß meine Eltern so wären, wie ich sie schildere.“

Die Eltern dieser Kinder setzten die Regeln, die sie aufstellten, nie durch. Das hatte zur Folge, daß die Kinder auch die Schulordnung nicht ernst nahmen, sondern glaubten, sie würden nicht bestraft, wenn sie sie verletzten — was auch häufig zutraf.

Ich bewarb mich nie um eine Stelle an einer höheren Schule. In diesen Schulen kam es manchmal zu Schießereien, Messerstechereien und Vergewaltigungen, außerdem wurde dort täglich gestohlen und mit Rauschmitteln gehandelt. In den meisten höheren Schulen müssen Sicherheitsbeamte eingesetzt werden. Aber weder die Lehrerschaft noch die Schulpolizei unternimmt etwas gegen den ständigen Gebrauch von Marihuana unter den Schülern. Nicht wenige sind während des größten Teils des Schuljahres in einem Rauschzustand.

Als ich in der Schule tagtäglich fast verzweifelte und mich meine Verzweiflung sogar noch zu Hause quälte, wurde mir eines klar: Es war an der Zeit, den Versuch aufzugeben, die Flut von gleichgültigen Eltern, interesselosen Lehrern und verwahrlosten Kindern einzudämmen. Ich hängte meinen Beruf an den Nagel und widmete die so gewonnenen Stunden meiner eigenen Familie. Jetzt habe ich Zeit, etwas Lohnenderes und Befriedigenderes zu lehren: die biblische Botschaft von Gottes neuem System unter Christus Jesus, das alle Probleme der Menschen lösen wird (S. F.).

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