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Erwachet! 1980
g80 22. 7. S. 25-29

Bohrtürme in der aufgewühlten See

Vom „Awake!“-Korrespondenten in Großbritannien

DORT, wo das rauheste Wetter wütet, bohrt man unter dem Meer nach Öl. Windstille herrscht hier durchschnittlich nur zu einem Prozent während der Winterzeit und zu fünf Prozent während der Zeit im Hochsommer. Stürme von der Stärke eines Hurrikans zerren an den Bohrinseln, und 30 Meter hohe Wellen krachen gegen die Decks. Schon so manches Versorgungsschiff ist untergegangen. Am schwerwiegendsten ist jedoch der ständig größer werdende Verlust an Menschenleben. Als Beispiel diene die Katastrophe vor der Küste Norwegens. Diese Faktoren, die die normalen Kosten eines solchen Projekts noch erhöhen, lassen die Ölbohrungen im Norden der aufgewühlten Nordsee unglaublich teuer werden.

Im Jahre 1964 genehmigte die britische Regierung verschiedenen Ölgesellschaften, die Nordsee nach Ölvorkommen zu untersuchen, und 1969 wurden zum erstenmal geringere Mengen entdeckt. Inzwischen kennt man 14 Ölfelder, die als erschließungswürdig gelten.

Vorbereitungen

Als sich die Hoffnung bestätigte, aus dem Meeresboden in genügend großer Menge Öl fördern zu können, mußten viele Leitungen verlegt werden. Zuerst mußten vom Festland aus Pipelines aus Stahl verlegt werden, die einen Durchmesser von 81 cm und eine Wandstärke von 19 mm haben. Um dem Rost vorzubeugen, beschichtete man sie mit einem bitumenhaltigen Material, und damit sie sich, während sie in den vorbereiteten Graben eingebettet wurden, nicht zu leicht in der Strömung bewegten, wurden sie mit einer 5 bis 13 cm dicken Zementschicht ummantelt.

Der Meeresboden mußte Kilometer um Kilometer untersucht werden, um sicherzugehen, daß die Leitungen in eine stabile Lage gebracht werden konnten. Daher mußte man an manchen Stellen bis in eine Tiefe von 140 m gehen — noch nie zuvor hatte man Pipelines so tief gelegt.

Probleme besonderer Art brachten die Förderplattformen mit sich. Wegen ihrer Abmessungen und ihres Gewichts mußten sie an Land montiert und dann zum Ölfeld gezogen werden. Die schwierigste Aufgabe bestand darin, jede komplette Stützkonstruktion an die gewünschte Stelle zu ziehen — manchmal 250 km oder mehr — und so im Meer abzusenken, daß sie genau an der richtigen Stelle in aufrechter Lage zu stehen kam. Schließlich mußten noch Stützpfeiler 120 m tief in den Meeresboden gerammt werden, um das Gerüst abzusichern.

Doch nicht alle Förderplattformen wurden aus Stahl hergestellt und mit Stützpfeilern abgesichert. Man baute auch Plattformen aus Beton, deren Stehvermögen sich allein durch das Gewicht ergibt. Im Mai 1978 wurde eine solche Betonplattform, 600 000 Tonnen schwer, von Loch Kishorn an der Westküste Schottlands zum Ninian-Ölfeld in der Nordsee gezogen. Man sagt, es sei das größte Objekt gewesen, das der Mensch jemals fortbewegt habe. Heute ist nur noch ein kleiner Teil dieses etwa 237 m hohen Bauwerks über dem Meer sichtbar.

Natürlich kamen Fragen über die Sicherheit solcher nichtverankerter Plattformen auf. Denn sie sind ständig durch Eisbildung, durch 160 Stundenkilometer schnelle Stürme, durch gigantische Wellen oder Bewegungen des Meeresbodens bedroht, und das oft in gefährlicher Kombination. Ein maßgeblicher Konstrukteur gab zu, daß man die dynamischen Kräfte der Nordsee noch nicht ganz versteht.

Auf einer Förderplattform

Zu den Ölfeldern gelangt man in der Regel mit einem Hubschrauber, und wenn du von Aberdeen (Schottland) aus fliegst, wirst du wahrscheinlich zuerst eine der schwimmfähigen Plattformen sehen. Ein typisches Beispiel ist die „Ocean Victory“. Da sie ein Halbtaucher mit eigenem Antrieb ist, schwimmt sie und kann bewegt werden. Während des Bohrbetriebes befindet sich der Rumpf 20 m unter der Oberfläche, damit die Bohrinsel eine größere Stabilität hat. Sie wird von acht 13-Tonnen-Ankern in Position gehalten, die 1 000 m weit ausliegen. Eine hydropneumatische Anlage im Bohrturm sorgt dafür, daß auf das Bohrgestänge eine gleichbleibend große Kraft ausgeübt wird, unabhängig davon, wie stark sich die Bohrinsel bewegt. Fast alle Halbtaucher können in 300 m tiefem Wasser operieren, und wenn nötig, kann man sie meist noch auf 900 m Tiefe umrüsten.

Etwas weiter östlich liegt eine der üblichen Förderplattformen mit ihrem spitz zulaufenden Bohrturm aus Stahl und drei Decks. Das oberste Deck ist kaum mehr als ein Hubschrauberlandeplatz. Das mittlere bildet den Hauptarbeitsbereich, von dem aus die eigentlichen Bohrungen vorgenommen werden. Auf dem unteren Deck sind in Lagerräumen die Rohrelemente gestapelt, die zum Bohren benötigt werden. Außerdem gehört zu diesem Deck der Wohnbereich, in dem rund 150 Mann unterkommen können, und zwei Speisesäle, ferner ein Aufenthaltsraum mit Fernsehgerät, Kino und Bibliothek. Unter dieser Ebene befindet sich die Stützkonstruktion der Plattform.

Manche Förderplattformen können bis zu 27 Bohrlöcher anzapfen. An Land werden fast alle Bohrungen senkrecht niedergebracht. Da es aber zu aufwendig wäre, in der Nordsee für jede Bohrung eine Plattform zu errichten, wird auch im schiefen Winkel gebohrt. Man bohrt dabei ein kurzes Stück senkrecht nach unten und biegt dann in eine vorher festgelegte Richtung ab, um Punkte zu erreichen, die in einer ganz bestimmten Entfernung und Tiefe liegen.

Probleme der Taucher

Bei den Ölbohrungen in der Nordsee kommt man nicht ohne Taucher aus. Obwohl sie nur jeweils 25 Minuten lang in 90 m Tiefe arbeiten können, verdienen sie oft mehr als 100 000 DM im Jahr. Sie sind großen Gefahren ausgesetzt, und bei der gegenwärtigen Unfallquote ist die Wahrscheinlichkeit, daß ein Taucher länger als 20 Jahre weiterlebt, 1 zu 5. Die britische Ärztevereinigung bezeichnete diese Betätigung sogar als „fünfzigmal so gefährlich wie die Arbeit in einem Kohlebergwerk“.

Das ist auch kein Wunder, denn niedrige Temperaturen in Verbindung mit der hohen Wärmeleitfähigkeit des Wassers können einen ungeschützten Taucher innerhalb von Minuten zur Empfindungslosigkeit abkühlen. Zudem muß er, damit er nicht erdrückt wird, eine Gasmischung atmen, die den gleichen Druck hat wie das ihn umgebende Meerwasser. Unterhalb einer Tiefe von 50 m ist die Mischung so kritisch, daß sie ständig sorgfältig überwacht werden muß. Wenn er einem zu schnellen Druckanstieg ausgesetzt wird, kann es sein, daß bei ihm Zuckungen auftreten; ein langsamer Druckanstieg dagegen kann Tage dauern. Die einzige Lösung besteht darin, daß der Taucher zusammen mit anderen Tauchern drei Wochen lang in einer geschlossenen Stahlkammer einem ständigen Druckanstieg ausgesetzt wird. Es erübrigt sich zu erwähnen, daß solche Umstände starke seelische und körperliche Belastungen mit sich bringen.

Sehr schwierig ist es auch, einen verletzten Taucher rechtzeitig ärztlich zu behandeln. Er muß sich, nachdem er beispielsweise 200 bis 225 m tief getaucht ist, mindestens sieben Tage in einem Raum mit stetigem Druckabfall aufhalten. Wie löst man dieses Problem heute? Der verletzte Taucher wird zuerst zur Druckkabine auf der Plattform gebracht. Dann kommt eine spezielle Druckkabine zum Einsatz, die aus Titan besteht, damit sie nicht mehr als etwa 900 kg wiegt. Sie wird zur Plattform gebracht und an die Druckkabine angeschlossen. Wenn der Taucher umgestiegen ist, wird die Druckkabine aus Titan mit einem Hubschrauber nach Dundee (Schottland) geflogen, wo sich eine besondere Behandlungsstation befindet, in der ein überhöhter Luftdruck aufrechterhalten wird.

All das kostet wertvolle Zeit, und wenn der Taucher sehr schwer verwundet ist, wird er wahrscheinlich sterben, bevor er die nötige ärztliche Hilfe erhält. Selbst wenn die Überführung gelungen und in der Spezialstation eine Operation durchgeführt worden ist, kann man nicht mit Gewißheit sagen, wie sich die Druckentlastung auf genähte Wunden auswirken wird. Obendrein ist in einer Druckkabine die übliche Gasnarkose unzweckmäßig, und elektrische Geräte können auch nicht verwendet werden, da eine erhöhte Brand- und Explosionsgefahr besteht.

Die Norweger haben jetzt einen Operationssaal entwickelt, der in das aluminiumgekapselte Kammersystem ihres neuen Unterwasserinstituts eingebaut worden ist, das am Hafen der Stadt Bergen liegt. In der Londoner Zeitung The Observer wird jedoch berichtet: „Die Sache hat nur einen Haken. Das Institut konnte bis jetzt noch keine Ärzte dafür gewinnen, die Zeit zu opfern, die sie in der Druckausgleichskabine vor und nach jeder Operation verbringen müssen.“

Tauchboote

Bei Ölbohrungen im Meeresboden kommt man nicht ohne Tauchboote aus, weil sie viel tiefer tauchen können als die Taucher. Diese Mini-U-Boote sind nicht länger als 6 m. Jedes Boot ist mit zwei Mann besetzt, die zwar unter Wasser nicht „aussteigen“, aber mit Spezialkameras Aufnahmen auf Videoband machen können, die dann im Mutterschiff oder auf der Landstation von Experten durchgesehen werden. Obwohl diese Tauchboote jedes Besatzungsmitglied bis zu 320 Stunden am Leben erhalten können, gehen jeweils zwei auf Tauchstation, damit ein Boot Rettungsmaßnahmen einleiten kann, wenn das andere in Schwierigkeiten geraten ist.

Die Entwicklung des britischen „Seabug“, eines ferngesteuerten Tauchbootes, und des kanadischen „Sub-Sea Chamber“ hat eine wesentliche Erleichterung gebracht. Die zuletzt erwähnte Einrichtung ermöglicht es der Mannschaft, am Meeresboden in einer normalen Atmosphäre zu arbeiten. Sie wird mit Tauchkapseln zum Arbeitsplatz gebracht und auch wieder zurückgeholt. Obwohl man große Sorgfalt walten läßt, bleibt das Tauchen eine gefährliche Betätigung. Ende 1978 starben zwei Taucher der Mobil Oil Company in ihrer Taucherglocke, nachdem durch starken Seegang die Verbindung mit dem Versorgungsschiff unterbrochen worden war.

Export der Technologie

Die Bohrtätigkeit in der Nordsee hat große technische Fortschritte gebracht. Vor einiger Zeit hieß es in der Zeitschrift The Guardian: „Vom Standpunkt der ganzen Nation [Großbritannien] aus betrachtet, wird uns der Verkauf unserer ausgezeichneten Technologie mit Sicherheit mehr Geld einbringen als das gesamte Nordseeöl.“ Das scheint sich zu bestätigen.

Gegenwärtig ist Südamerika, vor allem Brasilien, eines der vielversprechendsten Absatzgebiete. Die brasilianischen Ölreserven liegen etwa ebenso tief wie die der Nordsee. Gegenwärtig erforscht man das Campos-Becken, das weniger als 160 km vor der Küste Rio de Janeiros in etwa 200 m Tiefe liegt. Brasilien braucht in den nächsten zehn Jahren schätzungsweise 30 bis 40 Förderplattformen. Das wird wieder Absatzmärkte für Tauchboote, Versorgungsschiffe und andere technische Anlagen eröffnen. Es bestehen noch Aussichten auf den Export von Anlagen für die Ölfelder vor der Küste von Venezuela, Argentinien und Mexiko und für die Ölfelder im Kaspischen Meer in der UdSSR.

Zukunftsaussichten

Wie ist es um die Zukunft der Ölförderung bestellt? Großbritanniens Energiebehörde ließ durch die für Unterwasserbohrung zuständige Abteilung bekanntgeben: „Um eine Selbstversorgung während der 90er Jahre zu gewährleisten, müssen wir in den Jahren 1985 bis 1990 noch größere Tiefen unserer Hoheitsgewässer erforschen und nutzbar machen.“ Gemeint ist eine Tiefe von 300 bis 2 000 m. Ölexperten sagen aber warnend, man habe in der Nordsee die größten Funde bereits gemacht — bis zu drei Viertel der Gesamtvorkommen. Jetzt hofft man sogar, auf dem britischen Festland fündig zu werden. Ein optimistischer Experte sagte: „Wir sind dort [in Südengland] auf dem gleichen Stand wie vor 20 Jahren in der Nordsee. Wir wissen, das Öl ist da. ... Es ist nur eine Frage der Zeit.“

Während wir nun die Bohrinseln und Förderplattformen der Nordsee verlassen, tun wir gut, die tatsächlichen Kosten des Erdöls zu überschlagen: der Verlust an Menschenleben sowie die unübersehbaren Probleme dieser neuen Technologie. Ist sie uns das wirklich wert? Die meisten Leute scheinen das zu bejahen. Vielleicht wird es die Zeit zeigen. Bis dahin wird in einem erbarmungslosen Wettlauf immer mehr Öl aus der aufgewühlten Nordsee gefördert werden.

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