Ist der Mensch unfähig, Frieden zu halten?
Jedes Jahr werden für militärische Zwecke 500 Milliarden Dollar ausgegeben. Gehört das Kriegführen zur menschlichen Natur?
DAS könnte man fast meinen, gibt er doch gegenwärtig jedes Jahr 500 Milliarden Dollar für militärische Zwecke aus. Auch wurde ermittelt, daß es seit dem Zweiten Weltkrieg nur 26 Friedenstage gegeben hat. Und wenn einzelne Länder nicht gegeneinander kämpfen, dann kommt es vielfach zu Machtkonflikten zwischen Religionsgemeinschaften, zwischen Eltern und Kindern oder zwischen Männern und ihren Frauen. Japan galt immer als ein Land, dessen Bevölkerung fleißig und friedliebend ist und in dem die Eltern respektiert werden. Doch jetzt hat Japan einen 42prozentigen Anstieg der Jugendkriminalität zu verzeichnen. Bei dieser Kriminalität, die die Zeitschrift Newsweek vor kurzem ein „japanisches Jugendbeben“ nannte, handelt es sich in vielen Fällen um ein „sinnloses Wüten“ gegen Lehrer, Eltern und Polizei.
Es gibt Leute, die behaupten, der Mensch habe einen unzähmbaren Trieb zur Aggression und sei unfähig, Frieden zu halten. Dr. Polykarp Kusch, der 1955 den Nobelpreis für Physik erhielt und Kernphysik an der Universität Dallas lehrt, erklärte: „Wenn unsere Bodenschätze erschöpft sind, werden wir mit Pfeil und Bogen und Streitäxten gegeneinander zu Felde ziehen.“
Ist die Aggression dem Menschen wirklich angeboren? Nein. Die Leute, die miteinander in Frieden leben, sind ein Beweis dafür. Ein Beispiel sind die Tasaday, die im philippinischen Regenwald beheimatet sind. Ein Wissenschaftler, der eine Zeitlang bei ihnen lebte, berichtete: „Töten, Mord und Krieg sind ihnen unbekannt. Sie haben nie etwas davon gehört.“ Ein weiteres Beispiel sind die rund 2 000 000 Zeugen Jehovas, die verstreut in fast jedem Land der Welt leben, sich aber an keinem Krieg beteiligen. In einer in Portugal erscheinenden Missionszeitschrift schrieb eine Nonne über Jehovas Zeugen in Moçambique: „Die Welt sähe anders aus, wenn wir alle eines Morgens erwachen würden und ebenso fest entschlossen wie Jehovas Zeugen wären, nie wieder zu den Waffen zu greifen, ohne Rücksicht auf Kosten oder Gründe.“ Der Mensch ist also fähig, Frieden zu halten. Aber wenn dem so ist, warum gibt es dann immer wieder Kriege?
Warum gibt es Krieg?
Es gibt verschiedene augenscheinliche Gründe, weshalb Kriege geführt werden. In Kriegszeiten erscheinen diese den kriegführenden Parteien einleuchtend. Zum Beispiel werden Kriege wegen territorialer Streitigkeiten geführt. Eine häufige Kriegsursache ist auch die Angst vor wirtschaftlicher Diskriminierung, ob sie nun begründet ist oder nicht. Das war offenbar einer der Gründe, warum Japan vor dem Zweiten Weltkrieg die Mandschurei besetzte. Damals litten die Vereinigten Staaten unter der schweren Weltwirtschaftskrise, die 1929 ausgebrochen war, und suchten deren Folgen durch eine nationalistische und protektionistische Politik zu überwinden. Diese Politik der USA und anderer Handelspartner beeinflußten Japans Entscheidung, gewisse Gebiete zu besetzen, um seinen Einfluß und sein Wirtschaftspotential zu vergrößern.
Ferner haben Nationalismus, Vorurteile, Ungerechtigkeiten und Kommunikationsschwierigkeiten zu Kriegen geführt. In vielen Fällen sind auch einfach die Befehle von Führern wie Hitler, Napoleon und Alexander dem Großen, die förmlich nach Ruhm und Ehre lechzten, ausgeführt worden.
Wie die Bibel zeigt, gibt es außer diesen vordergründigen noch andere, tiefer liegende Ursachen. Eine davon ist der Mensch selbst! Treffend ist schon oft gesagt worden, daß die Kriege nicht durch Feuerwaffen, Panzer und Bomben verursacht werden, sondern von Menschen, und zwar von selbstsüchtigen Menschen. Wenn der Mensch seine auf Selbstsucht beruhende Einstellung, die zu Vorurteilen, Haß und Eifersucht führt, aufgeben und dafür Liebe, Mitgefühl und den Willen zum Vergeben bekunden würde, gäbe es keinen Krieg, ja überhaupt keine Streitigkeiten mehr. Jesus sagte: „Aus dem Herzen [kommen] böse Überlegungen, Mordtaten“ (Mat. 15:19).
Warum weist der Mensch solche Fehler auf? Gehören sie zur menschlichen Natur? Nein. Aus der Bibel geht hervor, daß Gott den Menschen vollkommen erschaffen hat. Zum Beispiel heißt es in Prediger 7:29: „Siehe! Nur dies habe ich gefunden, daß der wahre Gott den Menschen rechtschaffen gemacht hat, sie selbst aber haben viele Pläne ausgesucht.“ Erst als der Mensch sich von Gott und von seiner Herrschaft unabhängig machen wollte und sündigte, kamen in seinem Sinn und in seinem Herzen selbstsüchtige Gedanken und Wünsche auf. Diese führten dann zu Zorn, Streit und Krieg (1. Mo. 4:5).
Die Bibel weist noch auf eine andere Kriegsursache hin, indem sie in 1. Johannes 5:19 sagt: „Die ganze Welt liegt in der Macht dessen, der böse ist.“ Der Böse, Satan, der Teufel, hat die Geschichte und die Kriege der Menschen nachhaltig beeinflußt. Es war schon immer sein Ziel, alle Männer und Frauen zu veranlassen, sich von der Herrschaft Gottes abzuwenden. Und Kriege sind seiner Sache sehr förderlich. Er beeinflußt Personen, die die Meinung und das Denken des Volkes formen, und so gelingt es ihm, Kriege mit ihren Gott entehrenden Folgen zu schüren.
Die Bibel läßt auch erkennen, daß es immer wieder zu Kriegen kommt, weil keine starke, von allen Völkern anerkannte Regierung vorhanden ist. Der Wissenschaftler Isaac Asimov erklärte: „Die internationale Zusammenarbeit muß die Form einer Weltregierung annehmen; diese Regierung muß so viel Macht besitzen, daß sie notwendige Beschlüsse zu fassen und durchzuführen vermag und daß die einzelnen Staaten weder das Recht noch die Macht hätten, gegen sie zu den Waffen zu greifen.“
Aber eine solche Weltregierung gibt es doch — die Vereinten Nationen! Nein, sie sind keine Weltregierung, weil alle Mitgliedstaaten an ihrer Souveränität festhalten und nicht bereit sind, sie an die Vereinten Nationen abzutreten. Die UN sind lediglich ein Forum zur Besprechung politischer Probleme und keine Zentralregierung, der sich alle unterordnen. Wenn es zwischen Mitgliedstaaten zu kriegerischen Auseinandersetzungen kommt, drohen sie lediglich mit dem Zeigefinger, sind aber nicht in der Lage, dem Krieg Einhalt zu gebieten. Die Vereinten Nationen sind nicht die Weltregierung, die der Mensch benötigt.
Wie steht es mit den Kriegen, über die uns die Bibel berichtet?
Viele der in der Bibel erwähnten Kriege wurden offensichtlich von Gott gebilligt. Warum? Wenn man die Berichte über diese Kriege näher prüft, stellt man fest, daß es Beispiele dafür sind, wie Jehova von seinen Rechten, die er als universeller Souverän besitzt, Gebrauch machte. Als „Richter der ganzen Erde“ hat er sicherlich das Recht, die Erde von Bosheit und Unmoral zu säubern (1. Mo. 18:25). Manchmal benutzte Jehova Naturereignisse wie Überschwemmungen und Erdbeben, während er sich bei anderen Gelegenheiten gewisser Völker als Urteilsvollstrecker bediente (1. Mo. 6:5-8; 4. Mo. 31:3).
Besonders deutlich ist das im Falle des Volkes Israel zu sehen. Die Israeliten erhielten von Gott das Gebot, gewisse Nachkommen Kanaans aus dem Verheißenen Land zu vertilgen. Moses legte den Grund dafür deutlich dar, indem er gemäß 5. Mose 9:4 sagte: „Wegen der Bosheit dieser Nationen ist [es], daß Jehova sie vor dir vertreibt.“ Über diese Kanaaniter wird in dem Werk Halley’s Bible Handbook (Seite 161) folgendes gesagt: „Die Anbetung der Kanaaniter bestand in unsittlicher Ausschweifung, die als religiöser Ritus galt, der in der Gegenwart ihrer Götter vollzogen wurde, und in der Ermordung ihrer erstgeborenen Kinder, die den gleichen Göttern als Opfer dargebracht wurden. Es scheint, daß das Land Kanaan großenteils eine Art Sodom und Gomorra auf nationaler Ebene war. ... Hatte eine Zivilisation, die sich durch eine solch abscheuliche Schmutzigkeit und Brutalität auszeichnete, noch irgendein Anrecht darauf weiterzuexistieren? ... Archäologen, die in den Ruinen kanaanitischer Städte graben, wundern sich, daß Gott diese Städte nicht schon eher vernichtet hat.“
Die Bibel zeigt, daß Jehova bald als höchster Souverän des Universums von seiner Autorität Gebrauch machen und alle hinrichten wird, die heute seine Sittengesetze mißachten (1. Kor. 10:11, 12; 2. Thes. 1:6-9).
Besteht Hoffnung auf eine Welt ohne Krieg?
In der Bibel wird Jehova „der Gott, der Frieden gibt“, genannt (Röm. 15:33). Da die Friedensbemühungen des Menschen so jämmerlich fehlgeschlagen sind, möchten wir nun kennenlernen, wie Jehova Frieden schaffen wird.
Der Friede, den Gott in Aussicht stellt, beruht nicht auf der Furcht vor den Raketenvorräten anderer Länder oder auf Friedensverträgen. Vielmehr zeigt die Bibel, daß sein Weg zum Frieden mit einer Erziehung beginnt, durch die die Menschen veranlaßt werden, anders zu denken und sich anders zu verhalten, denn das Denken und Verhalten des Menschen ist ja die Wurzel des Problems. In vielen Ländern benutzen die politischen Führer schon seit langem die Schule, um die Kinder zu kriegsbegeisterten Menschen zu erziehen. Mitsui Sanshiro zum Beispiel, der 12 Jahre als japanischer Soldat in der Mandschurei diente und jetzt ein christlicher Zeuge Jehovas ist, erinnert sich, vom ersten bis zum letzten Schuljahr Shushin oder „Ethik“ als Unterrichtsfach gehabt zu haben. Im „Ethik“-Unterricht wurde den Schülern beigebracht, daß es eine große Ehre sei, für Kaiser und Vaterland zu sterben. Jehova dagegen erzieht sein Volk zur Friedensliebe. So heißt es in Jesaja 54:13: „Alle deine Söhne werden von Jehova Belehrte sein, und der Friede deiner Söhne wird überströmend sein.“
Viele Christen lernen durch ein Bibelstudium, friedliebend zu werden. Ein Japaner erzählte, wie aus ihm, einem echten Revolutionär, ein friedfertiger Christ wurde. Als er die höhere Schule besuchte, las er den Bestseller Toshi Ronri (Stadtlogik), in dem genau beschrieben wurde, wie die städtische Gesellschaft entartet ist. Er ereiferte sich über Reden und Bücher, in denen der Existentialismus, der Kommunismus und andere radikale Philosophien behandelt wurden.
Der junge Mann war der Überzeugung, etwas tun zu müssen, um eine Änderung herbeizuführen. Schließlich schloß er sich der japanischen „Roten Armee“ an und hatte darin bald eine führende Stellung. Diese ultraradikale Gruppe beabsichtigte, durch eine Revolution die Regierung zu stürzen und ein proletarisches Herrschaftssystem zu errichten. Doch als es innerhalb der Gruppe zu Streitigkeiten kam, ja als Gruppenangehörige, die anderer Meinung waren, sogar umgebracht wurden und bei den Unternehmungen zur Erreichung der Ziele viele unschuldige Bürger verletzt wurden, fühlte er sich enttäuscht. Er verließ die Gruppe, und einige Zeit danach begann er, mit Jehovas Zeugen die Bibel zu studieren. In der Botschaft dieses Buches fand er, was er gesucht hatte: die Grundlage für wahren Frieden und für die Hoffnung auf eine bessere Welt. Er beobachtete auch, daß die Erziehung zur Friedensliebe unter Jehovas Zeugen bereits Früchte trug. Jetzt wendet er zusammen mit seiner Frau und seinen drei Kindern jeden Monat viele Stunden dafür auf, anderen Menschen zu erzählen, wie Gott Frieden schaffen wird.
Man weiß schon lange, daß eine Weltregierung, die von jedermann bereitwillig anerkannt wird, die wichtigste Rolle beim Streben nach Weltfrieden spielt. Viele von denen, die die Welt erobern wollten, beabsichtigten, eine solche Regierung zu errichten. Eine ähnliche Absicht verfolgte man auch mit der Gründung der Vereinten Nationen.
Aus dem Buch Daniel geht hervor, daß Jehova eine solche Weltregierung einsetzen und alle gegenwärtigen, entzweienden Herrschaftsformen beseitigen wird. In Daniel 2:44 heißt es: „In den Tagen dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, das nie zugrunde gerichtet werden wird. ... Es wird alle diese Königreiche zermalmen und ihnen ein Ende bereiten, und es selbst wird für unabsehbare Zeiten bestehen.“
Diese von Gott stammende Weltregierung wird die Änderungen herbeiführen, die notwendig sind, damit es wahren Frieden geben kann. Sie wird alle Waffen vernichten (Jes. 2:4; Ps. 46:8, 9). Sie wird alle Landesgrenzen beseitigen, so daß Bevölkerung und Ressourcen gleichmäßig und vernünftig verteilt werden können. Sie wird auch für eine Sprache sorgen, die auf der ganzen Erde verstanden wird — das Sprachenproblem ist dem Weltfrieden schon immer hinderlich gewesen. Durch diese Regierung wird eine Atmosphäre geschaffen, in der der Mensch zu einem friedlichen Verhältnis zu seinem Schöpfer sowie zur Vollkommenheit des Geistes und des Gemütes zurückkehren kann. Das alles ist für einen wahren und dauerhaften Frieden unerläßlich (Zeph. 3:9; Offb. 21:3, 4; 22:2).
Ist das nicht reine Utopie? Wird es nicht Personen geben, die die Forderungen dieser friedenschaffenden und friedenerhaltenden Weltregierung nicht erfüllen wollen? Diese Möglichkeit besteht; auch die Bibel spricht davon. Heute gibt es ja ebenfalls viele, die den ererbten Unvollkommenheiten nachgeben und nicht bereit sind, Gottes Recht zu regieren anzuerkennen und seinen Gesetzen zu gehorchen. Wie bereits erwähnt wurde, wird Gott wiederum von seinen Rechten als Schöpfer und Souverän Gebrauch machen und solche Rebellen beseitigen, nachdem er ihnen ausreichend Gelegenheit gegeben hat, seine Forderungen kennenzulernen und zu erfüllen. Das muß im Interesse aller, die dauerhaften Frieden wünschen, geschehen. In Psalm 37:10, 11 wird gesagt: „Nur noch eine kleine Weile, und der Böse wird nicht mehr sein ... Aber die Sanftmütigen selbst werden die Erde besitzen, und sie werden in der Tat ihre Wonne haben an der Fülle des Friedens.“
Wir können uns freuen, daß wir, wie die Bibel zeigt, in der Zeit leben, in der die Erfüllung dieser wunderbaren Verheißungen nicht mehr fern ist. In Kürze wird Gott die Kriegstreiber und alle, die den Krieg unterstützen, beseitigen. Welch unaussprechliche Freude! Der jahrtausendealte Traum wird sich bald erfüllen. Es wird ein wahrer und dauerhafter Friede sein. Gottes Wille wird mit Sicherheit geschehen. Werden wir uns ihm unterordnen? Das muß jeder einzelne selbst entscheiden, heißt es doch in Gottes Wort: „Ich [habe] dir Leben und Tod vorgelegt ...; den Segen und den Fluch, und du sollst das Leben wählen, damit du am Leben bleibest, du und deine Nachkommen“ (5. Mo. 30:19; Jos. 24:15).
„Ich, Jehova, ... will den Frieden zu deinen Aufsehern einsetzen und die Gerechtigkeit zu deinen Arbeitszuteilern. Nicht mehr wird in deinem Land von Gewalttat gehört werden, Verheerung oder Zusammenbruch innerhalb deiner Grenzen“ (Jes. 60:16-18).
[Herausgestellter Text auf Seite 6]
Die Mitgliedstaaten der UN sind nicht bereit, ihre Souveränität an die UN abzutreten. Wenn es zu Kriegen kommt, vermag die Friedensorganisation ihnen keinen Einhalt zu gebieten.
[Herausgestellter Text auf Seite 8]
Man weiß schon lange, daß eine Weltregierung die wichtigste Rolle beim Streben nach Weltfrieden spielt. Gott wird die notwendigen Änderungen herbeiführen.
[Herausgestellter Text auf Seite 9]
Gottes Weg zum Frieden beginnt mit einer Erziehung, durch die die Menschen veranlaßt werden, anders zu handeln.
[Bild auf Seite 5]
Welch ein Gegensatz besteht doch zwischen diesem friedlichen Park in Hiroschima und den vielen vom Krieg heimgesuchten Ländern der Welt! Der Park erinnert einen an die Worte aus Psalm 37:10, 11: „Nur noch eine kleine Weile, und der Böse wird nicht mehr sein ... Aber die Sanftmütigen selbst werden die Erde besitzen, und sie werden in der Tat ihre Wonne haben an der Fülle des Friedens.“
[Bild auf Seite 6]
Symbol dafür, daß die Nationen ihre Schwerter zu Pflugscharen schmieden (UN-Gebäude)
[Bild auf Seite 7]
Im Friedenspark von Nagasaki: Denkmal, das die Friedenssehnsucht des Menschen zum Ausdruck bringen soll