Junge Leute fragen sich:
Wie wichtig sind die Noten?
BEI manchen fängt der Puls an zu rasen. Anderen gelingt es, den Anschein von Ruhe zu erwecken. Doch ob eine nahezu panische Stimmung herrscht oder ob man sich gelassen gibt, für jeden Schüler kommt unweigerlich der Tag, an dem ihm die Rechnung in Form des Zeugnisses präsentiert wird.
Warum diese Angst? Viele Jugendliche fühlen sich unter Druck gesetzt von seiten ihrer Eltern („Wenn du in Mathematik durchfällst, gibt es einen Monat lang kein Fernsehen!“) und von seiten der Lehrer („Du mußt deinen Notendurchschnitt verbessern, wenn du versetzt werden möchtest!“). Kein Wunder, daß bei einer Umfrage unter Grundschülern auf die Frage, was ihnen am meisten Sorgen bereite, 51 Prozent antworteten: „Die Noten.“
Interessanterweise behaupten manche Pädagogen, die Noten würden häufig den Konkurrenzgeist nähren, starke Belastungen hervorrufen und sogar die Freude am Lernen nehmen. Kein Wunder, daß Schüler oft über Noten erbittert sind. Ein Schüler der Oberstufe meinte sogar: „Es sollte überhaupt nicht nach Fehlerpunkten benotet werden. Wenn jemand ein schweres Fach wählt und von 100 Punkten nur 50 erreicht, bedeutet das, daß er immerhin 50 Prozent mehr weiß als zu Anfang.“
Du magst dich daher fragen, ob die Noten wirklich die Mühsal wert sind, die es mit sich bringt, wenn du bei den Hausaufgaben so lange schreibst, bis du deinen Arm nicht mehr spürst, langweilige Bücher durcharbeitest, endlose Listen auswendig lernst und für Examen paukst. „Was soll das Ganze?“ magst du dir denken. „Haben die Noten wirklich einen Sinn?“
Die Noten im richtigen Verhältnis sehen
Ob du die Schule nun liebst oder haßt, sie erfüllt ein wesentliches Bedürfnis. Die Lehrerin Barbara Mayer drückte es wie folgt aus: „Ihr Zweck besteht darin, den einzelnen Schülern möglichst viele Kenntnisse und Fertigkeiten zu vermitteln, damit sie ein gutes, ausgefülltes und erfolgreiches Leben führen können.“ Im allgemeinen reicht für diesen Zweck ein Schulabschluß mit anschließender Berufsausbildung aus. Aber wie beurteilen andere, ob du dir diese Kenntnisse oder Fertigkeiten angeeignet hast? Häufig aufgrund der Noten, die du in der Schule bekommen hast. „Das ist doch ungerecht!“ magst du einwenden. Aber oft ist es eine unabänderliche Tatsache. Zum Beispiel wurde in einem kürzlich im Wall Street Journal erschienenen Artikel den Arbeitgebern geraten, sich das Schulzeugnis eines Stellenbewerbers „genau anzusehen“. „Es ist das beste Barometer für die Voraussage der Abwesenheitsquote, der Arbeitsgewohnheiten und der Persönlichkeitsmerkmale“, hieß es weiter in dem Artikel.
Es gibt also praktische Gründe, warum du dich um gute Noten bemühen solltest. Salomo schrieb, daß „Geld zum Schutz dient“ (Prediger 7:12). Wenn du die in der Schule vermittelten Grundfertigkeiten nicht beherrschst, mag es dir nicht leichtfallen, zunächst einmal Geld zu verdienen — ganz zu schweigen vom Sparen und vom vernünftigen Geldausgeben. Allerdings äußerten Jugendliche bei einer kürzlich durchgeführten Umfrage, daß es ihnen wichtiger sei, eine interessante Arbeit zu haben als eine Arbeit mit guter Bezahlung, hohem Status oder Prestige. Nun, wenn man die Grundfertigkeiten beherrscht, eröffnet sich einem eine größere Stellenauswahl. Dr. Bernard Anderson, Experte für Berufswahl, sagte neulich: „Was junge Leute betrifft, müssen wir einfach darauf zurückkommen, viel mehr die Grundfertigkeiten hervorzuheben — Kommunikation, Rechnen usw.“ Da technische Entwicklungen wiederholte Umschulungen des Personals erfordern, fügte er hinzu, daß „diejenigen hoch im Kurs stehen werden, die sich leicht umschulen lassen — Personen mit sehr guten Grundfertigkeiten“.
Der weise König Salomo zeigte jedoch, daß das Leben einen weitaus tieferen Sinn als lediglich die Ausübung eines Berufes hat: „Der Abschluß der Sache, nachdem man alles gehört hat, ist: Fürchte den wahren Gott, und halte seine Gebote. Denn das ist des Menschen ganze Pflicht“ (Prediger 12:13). Die Fähigkeit, gut zu lesen und sich deutlich auszudrücken, ist eine wertvolle Hilfe für einen Jugendlichen, der ‘Gott dienen und seine Gebote halten’ möchte. Zum Beispiel riet der Apostel Paulus dem jungen Mann Timotheus, sich „weiterhin dem Vorlesen“ zu widmen, um ein besserer Lehrer in der Versammlung sein zu können (1. Timotheus 4:13). Obwohl die Apostel Petrus und Johannes als „ungelehrte und gewöhnliche Menschen“ galten, weil sie keine großartige Schulbildung hatten, waren sie imstande, mit größtem Geschick einige Teile der Bibel zu schreiben (Apostelgeschichte 4:13).
Sind Noten und Tests für dich wirklich eine Hilfe, diese Fertigkeiten zu erlangen? Das ist durchaus möglich. Selbst Jesus Christus testete häufig das Verständnis seiner Jünger über gewisse Angelegenheiten (Lukas 9:18). Lehrern von heute fällt es jedoch oft schwer, ihre Schüler genau kennenzulernen; die Schulklassen sind meist sehr groß. Dadurch, daß die Lehrer ihre Schüler testen und benoten, sind sie in der Lage, ihr Lehrprogramm auf die individuellen Bedürfnisse der Schüler abzustimmen. Das kommt dir als Schüler zugute.
In dem Buch Measurement and Evaluation in the Schools (Notengebung an den Schulen) hieß es dazu: „Wohldurchdachte Tests, die dem Unterricht angepaßt sind, können dem Lernprozeß förderlich sein, indem sie dem Schüler helfen, gute Studiengewohnheiten zu entwickeln und die intellektuelle Energie den gewünschten Bildungszielen zuzuführen. Durch die Testergebnisse kann offenbar werden, wo die Stärken und die Schwächen des einzelnen Schülers liegen, und sie können für die Zukunft als Lernanreiz dienen.“ Obendrein vermitteln deine Noten deinen Eltern eine Vorstellung davon, wie es dir in der Schule — sei es nun gut oder schlecht — ergeht.
Gleichwohl ist es wichtig, daß du eine ausgeglichene Ansicht über Noten hast, da sonst Probleme entstehen können.
„Müssen wir das für die Prüfung wissen?“
Ein Schüler der Oberstufe namens Steven klagte: „Es kommt mir vor, als stünde ich an einem Fließband, wo mir vorgefertigte Wissensprodukte zugeschoben werden, die ich nicht verdauen kann, weil ich gar keine Zeit dazu habe.“ Ja, wenn man zu sehr um die Noten besorgt ist, kann die Schule eher einer Fabrik gleichen als einer Stätte, an der man sich zum Lernen ermuntert fühlt.
„Notenbesessenheit“ kann sogar Spannungen unter Schülern hervorrufen. Zum Beispiel werden manchenorts die Schüler nach Leistung gruppiert. Doch kaum ein Jugendlicher möchte in einer Klasse für „Langsame“ oder „Unterdurchschnittliche“ sein. Daher können Noten einen erbitterten Konkurrenzkampf auslösen. Das trifft vor allem dann zu, wenn Schülern das Märchen beigebracht wird — und sie auch noch daran glauben —, eine akademische Bildung sei der Weg zum Glück. Die Autoren eines Buches über Heranwachsende stellten fest, daß, „seit die Zulassung zum Hochschulstudium fast überall schwierig ist“, die Studenten in eine „Mühle des Konkurrenzgeistes geraten können, wo mehr Wert auf Noten und Rang in der Klasse gelegt wird als auf das Lernen“. Die Situation in Japan (wo großer Wert auf eine akademische Bildung gelegt wird) zeigt, wozu der Konkurrenzgeist im Bildungswesen führen kann. Dort müssen die Kinder schon Prüfungen ablegen, nur um in den Kindergarten zu kommen!
Manche stellen sich auf diesen Druck ein, indem sie zu Prüfungsteilnehmern statt zu Lernenden werden. Dr. William Glasser sagte: „Die Kinder gewöhnen sich in der Schule schon sehr früh an, zu fragen, was bei der Prüfung drankommt, und dann ... nur das zu lernen.“ Die pensionierte Lehrerin Mary Susan Miller schrieb rückblickend in ihrem Buch Childstress! (Streß der Kinder): „Ich hatte ... Schüler, die ständig um einen Plus- oder Minuspunkt feilschten und die Punktbewertung bei den Prüfungsfragen kontrollierten, um meine Benotung in Frage zu stellen. Ihnen ging es um die Notenerfolge, nicht ums Lernen. Das waren dieselben Schüler, die selbst in das angeregteste Unterrichtsgespräch mit der Frage platzten: ‚Müssen wir das für die Prüfung wissen?‘“
Aber warum solltest du in diese „Mühle des Konkurrenzgeistes“ geraten? Salomo schrieb warnend: „Ich habe selbst all die harte Arbeit und all die Tüchtigkeit in der Arbeit gesehen, daß es Wetteifer des einen gegenüber dem anderen bedeutet; auch das ist Nichtigkeit und ein Haschen nach Wind“ (Prediger 4:4). Somit wird erbitterter Konkurrenzkampf — ob es nun dabei um materielle Güter oder um akademische Auszeichnungen geht — als nichtig eingestuft. Gottesfürchtige Jugendliche erkennen die Notwendigkeit, sich in der Schule anzustrengen. Aber sie wissen auch, daß sie sich erst dann auf dem Weg zum Glück befinden, wenn sie geistige Interessen an die erste Stelle setzen und darauf vertrauen, daß Gott für ihre materiellen Bedürfnisse sorgen wird (Matthäus 6:33).
Zugegeben, Noten verursachen Streß und Probleme. Barbara Mayer stellte aber in ihrem Buch The High School Survival Guide (Wie man in der Oberstufe überlebt) fest: „Das Problem mit den Noten in der Oberstufe rührt daher, daß man ihnen eine solch große Bedeutung beimißt.“ Obschon die Noten wichtig sein mögen, sind sie nicht das Wichtigste. Halte die Noten für das, wozu sie gut sind — bestenfalls ein hilfreicher Maßstab für deinen schulischen Fortschritt. Ein Schüler der Oberstufe drückte es wie folgt aus: „Ich möchte gern gute Noten haben. Aber sie sind nicht der alles beherrschende Gedanke in meinem Leben.“
(Diese Erörterung über Noten wird in unserer nächsten Ausgabe fortgesetzt.)
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Sind gute Noten die Stunden der Arbeit und des Lernens wert, die sie erfordern?
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Arbeitgeber halten nach Jugendlichen Ausschau, die bewiesen haben, daß sie die in der Schule vermittelten Grundfertigkeiten beherrschen