Warum einige Geistliche die Kindertaufe ablehnen
ALS Alan und Sonja ihr Kind taufen lassen wollten, machten sie folgende schockierende Erfahrung: Der anglikanische Geistliche weigerte sich nicht nur, den Ritus zu vollziehen, sondern gab ihnen auch noch den Rat: „Tun Sie es doch selbst!“ Der Grund? Alan und Sonja waren keine regelmäßigen Kirchgänger (The Christian Century, 3.—10. Juni 1981).
In letzter Zeit ist es vielen Ehepaaren ebenso ergangen — ein deutliches Anzeichen dafür, daß einige Kirchen ihre Ansicht über die Kindertaufe geändert haben. So zum Beispiel die katholische Kirche. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurde der Ritus der Kindertaufe überarbeitet. Die Kirche tauft zwar immer noch Babys, aber jetzt müssen die Eltern zuvor gewährleisten, daß das Kind katholisch erzogen wird. Der Vatikan verfügte: „Ist diese Gewähr nicht gegeben, kann das ein Grund zur Verschiebung des Sakraments werden. Ist überhaupt keine Gewähr gegeben, soll man das Sakrament verweigern“ (Herder-Korrespondenz, Januar 1981, „Glaubenskongregation: Instruktion über die Kindertaufe“).
Wie sehr unterscheidet sich das doch von dem Vorgehen in früheren Zeiten, als gemäß den Worten des katholischen Geistlichen Joseph M. Champlin „eifrige Missionare heidnische Babys tauften, die von ihren Eltern am Straßenrand ausgesetzt worden waren“, und Priester „die Eltern ermahnten, ein Kind spätestens nach einem Monat taufen zu lassen, weil sie sich sonst einer Todsünde schuldig machen würden“.
Was steht hinter dieser veränderten Einstellung? Die Kirchenführer erkennen jetzt, daß die Taufe noch keinen Christen macht. Die rückläufigen Zahlen der Kirchenbesucher und ein allgemeiner Mangel an Frömmigkeit unter getauften Katholiken geben zu echter Besorgnis Anlaß. „Warum sollte die Kirche das Problem noch vergrößern, indem sie weiterhin Kinder tauft, die als Erwachsene ihren Glauben doch nicht praktizieren werden?“ heißt es in einem Artikel in der Zeitschrift U.S. Catholic.
Die neue, harte Linie in bezug auf die Taufe offenbart allerdings auch einen tiefen Riß, der quer durch die Reihen der Theologen geht. So stellte der katholische Autor Joseph Martos fest, daß viele Geistliche ganz einfach nicht glauben, daß die Kindertaufe ein „magischer Ritus mit unsichtbaren Auswirkungen auf die Seele“ ist. In ihren Augen ist eine solche Ansicht mittelalterlich, überholt.
Es ist daher nicht verwunderlich, daß viele aufrichtige Katholiken verwirrt sind. Denn hat die Kirche nicht stets gelehrt, daß ungetaufte Kinder in eine feurige Hölle oder in das Fegefeuer kommen? Warum verweigert sie dann aber unter gewissen Umständen trotzdem die Taufe? Das sind gewichtige Fragen. Wie der katholische Priester Vincent Wilkin sagte, ist die Zahl derer, die ungetauft gestorben sind, „tatsächlich so unermeßlich hoch, daß es sich dabei, wie man sich leicht vorstellen kann, um einen Großteil der Menschheit handelt“.
Wir wollen uns daher einen kurzen Überblick über die Kindertaufe verschaffen, und zwar sowohl aus historischer als auch aus biblischer Sicht.