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Der Feigenbaum — eine Lektion über GlaubenJesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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KAPITEL 105
Der Feigenbaum — eine Lektion über Glauben
MATTHÄUS 21:19-27 MARKUS 11:19-33 LUKAS 20:1-8
DER ABGESTORBENE FEIGENBAUM VERMITTELT EINE LEHRE ÜBER DEN GLAUBEN
JESU BEFUGNIS WIRD INFRAGE GESTELLT
Am Montagnachmittag kehrt Jesus von Jerusalem nach Bethanien zurück. Dort, am Osthang des Ölbergs, übernachtet er wahrscheinlich bei seinen Freunden Lazarus, Maria und Martha.
Am nächsten Morgen — es ist der 11. Nisan — gehen Jesus und die Jünger wieder nach Jerusalem. Jesus wird das letzte Mal im Tempel sein. Und es wird auch der letzte Tag seines öffentlichen Dienstes sein, bevor er das Passah feiert, die Gedenkfeier an seinen Tod einführt und schließlich verhört und hingerichtet wird.
Auf dem Weg über den Ölberg fällt Petrus der Baum auf, den Jesus am Tag zuvor verflucht hat. „Rabbi“, ruft er, „siehst du den Feigenbaum, den du verflucht hast? Er ist abgestorben!“ (Markus 11:21).
Warum hat Jesus überhaupt dafür gesorgt, dass der Baum stirbt? Das zeigt seine Antwort: „Ich versichere euch: Wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt, werdet ihr nicht nur das tun, was ich mit dem Feigenbaum gemacht habe, sondern wenn ihr zu diesem Berg sagt: ‚Heb dich in die Höhe und stürz dich ins Meer‘, dann wird selbst das passieren. Alles, worum ihr voller Glauben betet, werdet ihr bekommen“ (Matthäus 21:21, 22). So spricht er noch einmal über einen Glauben, der Berge versetzen kann (Matthäus 17:20).
Dadurch, dass Jesus dafür gesorgt hat, dass der Baum abstirbt, zeigt er anschaulich, wie wichtig der Glaube an Gott ist. Er erklärt: „Glaubt bei allem, worum ihr betet und bittet, dass ihr es schon bekommen habt. Dann werdet ihr es auch bekommen“ (Markus 11:24). Was für ein bedeutender Lehrpunkt für alle seine Nachfolger! Besonders Jesu Apostel können das jetzt gut gebrauchen, denn ihnen stehen bald schwere Prüfungen bevor. Es gibt aber noch einen anderen Zusammenhang zwischen dem abgestorbenen Feigenbaum und dem Glauben.
Wie der Feigenbaum erweckt das Volk Israel einen trügerischen Eindruck. Es befindet sich in einem Bundesverhältnis mit Gott, und von außen mag es so aussehen, als befolgten die Menschen das Gesetz. Das Volk als Ganzes hat allerdings gezeigt, dass es weder Glauben hat noch gute Früchte trägt. Es lehnt sogar Gottes Sohn ab! Durch den abgestorbenen Baum demonstriert Jesus, welches Ende dieses ertraglose, ungläubige Volk erwartet.
Kurz darauf erreichen Jesus und die Jünger Jerusalem. Wie gewohnt geht Jesus in den Tempel und lehrt. Da kommen die Oberpriester und Ältesten des Volkes zu ihm und fragen herausfordernd: „Mit welchem Recht tust du das alles? Wer hat dich berechtigt, so etwas zu tun?“ (Markus 11:28). Wahrscheinlich spielen sie darauf an, dass Jesus am Vortag gegen die Geldwechsler vorgegangen ist.
Jesus erwidert: „Ich habe eine Frage an euch. Beantwortet sie mir und ich sage euch, mit welchem Recht ich das alles tue. War die Taufe des Johannes vom Himmel oder von Menschen? Antwortet mir.“ Jetzt sind seine Gegner in Zugzwang. Gemeinsam überlegen sie: „Wenn wir sagen: ‚Vom Himmel‘, wird er fragen: ‚Warum habt ihr ihm dann nicht geglaubt?‘ Aber können wir es wagen, zu sagen: ‚Von Menschen‘?“ Sie haben nämlich Angst vor den Leuten, die ja alle der Meinung sind, „dass Johannes tatsächlich ein Prophet gewesen war“ (Markus 11:29-32).
Ihnen fällt einfach nichts Passendes ein. Deshalb antworten sie: „Wir wissen es nicht“, worauf Jesus erwidert: „Dann sage ich euch auch nicht, mit welchem Recht ich das alles tue“ (Markus 11:33).
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Zwei Veranschaulichungen über WeinbergeJesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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KAPITEL 106
Zwei Veranschaulichungen über Weinberge
MATTHÄUS 21:28-46 MARKUS 12:1-12 LUKAS 20:9-19
DIE VERANSCHAULICHUNG VON DEN ZWEI SÖHNEN
DIE VERANSCHAULICHUNG VON DEN WEINBAUERN
Im Tempel wollten die Oberpriester und Ältesten des Volkes gerade von Jesus wissen, mit welchem Recht er handelt. Doch seine Antwort hat sie verstummen lassen. Und jetzt deckt er durch eine Geschichte auf, was für Menschen sie in Wirklichkeit sind.
Jesus erzählt: „Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zu dem ersten und sagte: ‚Kind, geh heute im Weinberg arbeiten.‘ ‚Ich geh nicht‘, antwortete der eine, aber dann tat es ihm leid und er ging doch. Dem zweiten Sohn gab er den gleichen Auftrag und er antwortete: ‚Ich geh, Herr‘, ging dann aber doch nicht. Welcher von den beiden hat getan, was sein Vater wollte?“ (Matthäus 21:28-31). Die Antwort liegt auf der Hand: Am Ende hat der erste Sohn den Willen seines Vaters getan.
Daher sagt Jesus zu seinen Gegnern: „Ich versichere euch: Die Steuereinnehmer und die Prostituierten kommen eher in Gottes Königreich als ihr.“ Diese Menschen wollten Gott erst nicht dienen. Doch wie der erste Sohn haben sie später bereut und dienen ihm jetzt. Die religiösen Führer hingegen sind wie der zweite Sohn. Sie beteuern, Gott zu dienen, tun es in Wirklichkeit aber nicht. Jesus bemerkt: „Johannes [der Täufer] kam und zeigte euch den Weg der Gerechtigkeit, aber ihr habt ihm nicht geglaubt. Die Steuereinnehmer und die Prostituierten dagegen haben ihm geglaubt. Nicht einmal als ihr das gesehen habt, hat es euch leidgetan, sodass ihr ihm geglaubt hättet“ (Matthäus 21:31, 32).
Dann bringt Jesus gleich eine zweite Veranschaulichung. Diesmal zeigt er, dass die religiösen Führer es nicht nur versäumen, Gott zu dienen, sondern dass sie im Grunde sogar böse Menschen sind. Er sagt: „Ein Mann pflanzte einen Weinberg, zog einen Zaun darum, legte ein Auffangbecken für die Weinkelter an und baute einen Turm. Dann verpachtete er den Weinberg an Weinbauern und reiste weit weg. Als es an der Zeit war, schickte er einen Sklaven zu den Weinbauern, um einen Teil der Traubenernte abholen zu lassen. Doch sie packten ihn, verprügelten ihn und schickten ihn mit leeren Händen weg. Da beauftragte er einen anderen Sklaven, den sie aber am Kopf verwundeten und demütigten. Den nächsten, den er schickte, brachten sie um, und viele weitere verprügelten oder töteten sie“ (Markus 12:1-5).
Begreifen Jesu Zuhörer, was die Veranschaulichung bedeutet? Vielleicht werden sie dadurch an Jesajas Anklage erinnert: „Der Weinberg Jehovas, des Herrn der Heere, ist das Haus Israel. Die Männer von Juda sind die Pflanzung, die er liebte. Er hoffte die ganze Zeit auf Rechtsprechung, doch da war Ungerechtigkeit“ (Jesaja 5:7). Auch in Jesu Veranschaulichung steht der Weinbergbesitzer für Jehova und der Weinberg für das Volk Israel, das durch Gottes Gesetz umzäunt und geschützt ist. Zu diesem Volk schickte Jehova Propheten, um ihm zu helfen, gute Früchte hervorzubringen.
Doch „die Weinbauern“ haben die „Sklaven“, die zu ihnen gesandt wurden, misshandelt und getötet. Jesus erzählt weiter, dass dem Weinbergbesitzer „nur noch einer übrig[blieb] — sein geliebter Sohn. Ihn schickte er als Letzten und dachte: ‚Vor meinem Sohn werden sie ja wohl Respekt haben.‘ Doch die Weinbauern sagten zueinander: ‚Das ist der Erbe. Kommt, wir bringen ihn um, dann gehört das Erbe uns.‘ Sie packten ihn, töteten ihn und warfen ihn aus dem Weinberg“ (Markus 12:6-8).
Dann fragt Jesus: „Was wird der Weinbergbesitzer jetzt wohl tun?“ (Markus 12:9). Die religiösen Führer antworten: „Weil sie böse sind, wird er ihnen ein böses Ende bereiten. Und den Weinberg wird er an andere Weinbauern verpachten, die ihm den Ertrag abliefern, wenn es Zeit dafür ist“ (Matthäus 21:41).
Ohne es zu merken, sprechen sie sich selbst schuldig. Sie gehören zu den „Weinbauern“ in Jehovas „Weinberg“, dem Volk Israel. Zu dem Fruchtertrag, den Jehova zu Recht von diesen Weinbauern erwartet, gehört der Glaube an seinen Sohn, den Messias. Jesus sieht die religiösen Führer direkt an und sagt: „Habt ihr nie die Schriftstelle gelesen: ‚Der Stein, den die Bauleute abgelehnt haben, der ist zum Haupteckstein geworden. Das hat Jehova bewirkt und es ist großartig in unseren Augen‘?“ (Markus 12:10, 11). Dann erklärt er ihnen unmissverständlich: „Gottes Königreich wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das dessen Früchte hervorbringt“ (Matthäus 21:43).
Die Schriftgelehrten und Oberpriester merken, dass Jesus mit dieser Veranschaulichung auf sie anspielt (Lukas 20:19). Mehr als je zuvor sind sie nun darauf aus, ihn, den rechtmäßigen „Erben“, zu töten. Doch aus Furcht vor der Menschenmenge, die Jesus für einen Propheten hält, halten sie sich noch zurück.
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Der König bittet die Hochzeitsgäste zu kommenJesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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KAPITEL 107
Der König bittet die Hochzeitsgäste zu kommen
DAS GLEICHNIS VON DER HOCHZEITSFEIER
Während sich Jesu Dienst dem Ende nähert, prangert er die Schriftgelehrten und Oberpriester mithilfe von Veranschaulichungen an. Deshalb wollen sie ihn töten (Lukas 20:19). Aber Jesus ist noch lange nicht mit ihnen fertig. Er hat ein weiteres Gleichnis für sie:
„Mit dem Königreich des Himmels ist es wie mit einem König, der für seinen Sohn eine Hochzeitsfeier veranstaltete. Er beauftragte seine Sklaven, die Eingeladenen zur Hochzeitsfeier zu rufen, aber sie wollten nicht kommen“ (Matthäus 22:2, 3). Jesus erwähnt zu Beginn das „Königreich des Himmels“. Daher muss der König Jehova Gott sein und der Sohn des Königs Jehovas Sohn, der gerade dieses Gleichnis erzählt. Und die Hochzeitsgäste müssen diejenigen sein, die mit dem Sohn im Königreich des Himmels sein werden.
Wer sind die Ersten, die eingeladen wurden? Die Juden kamen im Jahr 1513 v. u. Z. unter das Gesetz, wodurch sie die Aussicht erhielten, ein „Königreich von Priestern“ zu werden (2. Mose 19:5-8). Aber wann genau erging der Ruf, zum Hochzeitsfest zu kommen? Es muss im Jahr 29 gewesen sein, als Jesus begann, das Königreich des Himmels bekannt zu machen. Und die Juden waren die Ersten, denen Jesus und die Apostel die Botschaft vom Königreich brachten (Matthäus 10:6, 7; 15:24).
Wie haben die allermeisten auf den Ruf reagiert? Wie Jesus sagt, „wollten [sie] nicht kommen“. Die Mehrheit des Volkes und der religiösen Führer haben Jesus nicht als Messias und als Gottes auserwählten König angenommen.
Wie Jesus jedoch andeutet, werden die Juden eine zweite Chance erhalten: „Dann schickte . . . [der König] weitere Sklaven los mit dem Auftrag: ‚Richtet den Eingeladenen aus: „Das Festessen ist vorbereitet, ich habe meine Stiere und mein Mastvieh schlachten lassen und alles ist fertig. Kommt zur Hochzeitsfeier.“ ‘ Doch es war ihnen egal und sie gingen weg — die einen schauten nach ihren Feldern, die anderen kümmerten sich um ihre Geschäfte. Die Übrigen aber packten seine Sklaven, behandelten sie entwürdigend und brachten sie um“ (Matthäus 22:4-6). Das geschieht, als die Christenversammlung gegründet wird. Als Volk haben die Juden immer noch die Möglichkeit, ins Königreich zu kommen. Allerdings missachten die meisten den Ruf zu kommen und misshandeln die Sklaven des Königs sogar (Apostelgeschichte 4:13-18; 7:54, 58).
Welche Folgen hat das für die jüdische Nation? Jesus erzählt: „Wütend entsandte der König seine Truppen, ließ die Mörder töten und verbrannte ihre Stadt“ (Matthäus 22:7). Das bewahrheitet sich, als die Römer im Jahr 70 Jerusalem zerstören.
Die Juden ignorieren also den Aufruf zu kommen. Heißt das, dass niemand anders eingeladen wird? Nein, denn Jesus fügt hinzu: „Dann sagte . . . [der König] zu seinen Sklaven: ‚Die Hochzeitsfeier ist vorbereitet, aber die Eingeladenen waren es nicht wert. Geht also auf die Straßen, die aus der Stadt hinausführen, und ladet jeden zur Hochzeit ein, der euch begegnet.‘ Da gingen die Sklaven hinaus auf die Straßen und holten alle zusammen, die sie trafen — Böse und Gute. Daraufhin füllte sich der Festsaal mit Gästen“ (Matthäus 22:8-10).
Das erfüllt sich ab dem Jahr 36, als der Apostel Petrus erstmals unbeschnittenen Nichtjuden hilft, Christen zu werden. Der römische Offizier Kornelius und seine Familie bekommen Gottes Geist, wodurch auch sie die Aussicht erhalten, in das Königreich des Himmels zu kommen, von dem Jesus gesprochen hat (Apostelgeschichte 10:1, 34-48).
Jesus deutet an, dass nicht alle, die zum Fest kommen, für den König annehmbar sein werden. Er sagt: „Als der König hereinkam, um sich die Gäste anzusehen, entdeckte er einen Mann, der kein Festgewand anhatte. Da fragte er ihn: ‚Freund, wie bist du hier eigentlich ohne Festgewand hereingekommen?‘ Darauf wusste der Mann nichts zu antworten. Der König befahl seinen Dienern: ‚Fesselt ihn an Händen und Füßen und werft ihn hinaus in die Dunkelheit. Dort wird er weinen und mit den Zähnen knirschen.‘ Denn es sind viele eingeladen, doch wenige auserwählt“ (Matthäus 22:11-14).
Wahrscheinlich verstehen die religiösen Führer nicht alles, was Jesus sagt. Dennoch sind sie verärgert und entschlossener denn je, denjenigen loszuwerden, der sie dermaßen bloßstellt.
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Er vereitelt Versuche, ihm eine Falle zu stellenJesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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KAPITEL 108
Er vereitelt Versuche, ihm eine Falle zu stellen
MATTHÄUS 22:15-40 MARKUS 12:13-34 LUKAS 20:20-40
DEM CÄSAR GEBEN, WAS CÄSAR GEHÖRT
WERDEN DIE AUFERSTANDENEN HEIRATEN?
DIE BEIDEN GRÖSSTEN GEBOTE
Jesu Feinde sind wütend. Gerade hat er durch mehrere Gleichnisse ihre Schlechtigkeit aufgedeckt. Nun verschwören sich die Pharisäer, ihm eine Falle zu stellen, und bezahlen dafür einige ihrer Jünger. Sie wollen Jesus dazu bringen, etwas zu sagen, wofür sie ihn anklagen und dem römischen Statthalter ausliefern können (Lukas 6:7).
„Lehrer“, sagen sie, „wir wissen: Was du sagst und lehrst, ist richtig, und du bist nicht parteiisch, sondern lehrst wahrheitsgetreu, wie man nach dem Willen Gottes leben soll. Ist es richtig, dass wir Cäsar Kopfsteuer zahlen, oder nicht?“ (Lukas 20:21, 22). Jesus lässt sich von ihren Schmeicheleien nicht blenden, denn er weiß, dass sie hinterlistige Heuchler sind. Würde er antworten, „Nein, ihr braucht diese Steuer nicht zu zahlen“, könnte er wegen Aufhetzung gegen Rom angeklagt werden. Würde er aber sagen, „Ja, bezahlt die Steuer“, könnte er das Volk gegen sich aufbringen, dem die römische Herrschaft zuwider ist. Wie antwortet er also?
Jesus fragt: „Warum stellt ihr mich auf die Probe, ihr Heuchler? Zeigt mir die Münze, mit der man die Steuer zahlt.“ Da bringen sie ihm einen Denar, worauf er fragt: „Wessen Bild und Aufschrift ist das?“ „Cäsars“, erwidern sie. Da macht Jesus die geniale Aussage: „Dann gebt Cäsar zurück, was Cäsar gehört, und Gott, was Gott gehört“ (Matthäus 22:18-21).
Jesu geschickte Antwort macht die Männer sprachlos und sie ziehen sich zurück. Doch der Tag ist noch nicht zu Ende, und seine Feinde wollen noch nicht aufgeben. Nachdem die Pharisäer gescheitert sind, versucht nun eine andere religiöse Gruppe, Jesus eine Falle zu stellen.
Es sind Sadduzäer, also Männer, die nicht an die Auferstehung glauben. Sie kommen mit einer Frage zur Auferstehung und Schwagerehe zu Jesus und fragen: „Lehrer, Moses hat gesagt: ‚Wenn ein Mann stirbt, ohne Kinder zu haben, soll sein Bruder die Witwe heiraten, um ihm Nachkommen zu sichern.‘ Hier gab es einmal sieben Brüder. Der erste hat geheiratet und ist dann gestorben, und weil er keine Nachkommen hatte, hinterließ er die Frau seinem Bruder. Dem zweiten ging es genauso, dann dem dritten und so weiter, bis alle sieben tot waren. Als Letzte von allen starb auch die Frau. Wem von den sieben wird die Frau also bei der Auferstehung gehören? Sie waren ja alle mit ihr verheiratet“ (Matthäus 22:24-28).
Bei seiner Antwort stützt sich Jesus auf die Schriften von Moses, die die Sadduzäer anerkennen. Er sagt: „Seid ihr nicht deswegen im Irrtum, weil ihr weder die Schriften noch die Macht Gottes kennt? Denn wenn sie von den Toten auferstehen, heiraten Männer nicht und Frauen werden nicht verheiratet, sondern sie sind wie Engel im Himmel. Was aber die Auferweckung der Toten betrifft, habt ihr nicht im Buch von Moses im Bericht über den Dornbusch gelesen, dass Gott zu ihm gesagt hat: ‚Ich bin der Gott Abrahams, Gott Isaaks und Gott Jakobs‘? Er ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden. Ihr seid sehr im Irrtum“ (Markus 12:24-27; 2. Mose 3:1-6). Die Menschenmenge staunt nur so über diese Antwort.
Da die Pharisäer und die Sadduzäer gegen Jesus jeweils nichts ausrichten konnten, tun sie sich jetzt zusammen. Ein Schriftgelehrter fragt ihn: „Lehrer, welches ist das wichtigste Gebot im Gesetz?“ (Matthäus 22:36).
Jesus antwortet: „An erster Stelle steht das Gebot: ‚Höre, Israel: Jehova ist unser Gott, es gibt nur einen Jehova. Liebe Jehova, deinen Gott, mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele, mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft.‘ An zweiter Stelle steht das Gebot: ‚Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst.‘ Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden“ (Markus 12:29-31).
Darauf erwidert der Schriftgelehrte: „Lehrer, du hast gut und wahrheitsgemäß gesagt: ‚Es gibt nur Einen und außer ihm gibt es keinen.‘ Und ihn mit ganzem Herzen zu lieben, mit ganzem Verstand und mit ganzer Kraft und seinen Mitmenschen zu lieben wie sich selbst — das ist viel mehr wert als alle Ganzbrandopfer und anderen Opfer.“ Da der Mann klug geantwortet hat, sagt Jesus zu ihm: „Du bist nicht weit vom Königreich Gottes entfernt“ (Markus 12:32-34).
Es ist noch immer der 11. Nisan und bereits der dritte Tag, an dem Jesus im Tempel lehrt. Einige Menschen wie dieser Schriftgelehrte haben ihm gern zugehört. Ganz anders die religiösen Führer, von denen „sich keiner mehr [traut], ihm Fragen zu stellen“.
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Er verurteilt seine FeindeJesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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KAPITEL 109
Er verurteilt seine Feinde
MATTHÄUS 22:41 BIS 23:24 MARKUS 12:35-40 LUKAS 20:41-47
WESSEN SOHN IST DER CHRISTUS?
JESUS DECKT DIE HEUCHELEI SEINER FEINDE AUF
Es ist nach wie vor der 11. Nisan und Jesus ist immer noch im Tempel. Seine Feinde haben es nicht geschafft, ihm eine Falle zu stellen und ihn den Römern auszuliefern (Lukas 20:20). Nun dreht er den Spieß um. Er kommt auf seine eigentliche Identität zu sprechen und fragt sie: „Was denkt ihr über den Christus? Wessen Sohn ist er?“ (Matthäus 22:42). Sie antworten, was allgemein bekannt ist: dass der Messias ein Nachkomme Davids sein soll (Matthäus 9:27; 12:23; Johannes 7:42).
Daraufhin fragt Jesus: „Wie kommt es dann, dass David ihn unter Inspiration Herr nennt, wenn er sagt: ‚Jehova sagte zu meinem Herrn: „Setz dich an meine rechte Seite, bis ich dir deine Feinde unter die Füße lege“ ‘? Wenn David ihn Herr nennt, wieso ist er dann sein Sohn?“ (Matthäus 22:43-45).
Darauf wissen die Pharisäer keine Antwort, denn sie warten auf einen menschlichen Nachkommen Davids, der sie von der römischen Herrschaft befreit. Doch mithilfe der Worte aus Psalm 110:1, 2 zeigt Jesus, dass der Messias mehr sein muss als nur ein Mensch. Als Davids Herr wird er sich an Gottes Seite setzen und von dort aus regieren.
Dieser Diskussion haben die Jünger und viele andere zugehört. Nun wendet sich Jesus ihnen zu, um sie vor den Schriftgelehrten und Pharisäern zu warnen. Diese „haben den Platz von Moses eingenommen“, indem sie Gottes Gesetz lehren. Jesus weist seine Zuhörer an: „Macht deshalb alles, was sie euch sagen, aber verhaltet euch nicht wie sie, denn sie tun selber nicht, was sie sagen“ (Matthäus 23:2, 3).
Dann nennt Jesus einige Beispiele für ihre Heuchelei. Wie er sagt, „machen sie die Kapseln mit Schriftstellen, die sie als Amulett tragen, extra groß“. Einige Juden tragen auf ihrer Stirn oder ihrem Arm kleine Kapseln, die kurze Auszüge aus dem Gesetz enthalten. Doch weil die Pharisäer den Eindruck erwecken wollen, für Gottes Gesetz besonderen Eifer zu haben, vergrößern sie ihre Kapseln. Außerdem machen sie die Fransen, die die Israeliten an ihrer Kleidung tragen sollen, „extra lang“ (4. Mose 15:38-40). Das alles tun sie, damit sie „von anderen gesehen werden“ (Matthäus 23:5).
Sogar Jesu Jünger könnten sich von dem Wunsch nach Ansehen anstecken lassen. Deshalb gibt Jesus ihnen den Rat: „Lasst euch nicht Rabbi nennen, denn nur einer ist euer Lehrer und ihr seid alle Brüder. Nennt außerdem niemanden auf der Erde Vater, denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel. Auch lasst euch nicht Führer nennen, denn nur einer ist euer Führer, der Christus.“ Wie sollten sich die Jünger also selbst betrachten und wie sollten sie sich verhalten? Jesus sagt ihnen: „Der Größte unter euch soll euer Diener sein. Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht“ (Matthäus 23:8-12).
Als Nächstes richtet Jesus scharfe Worte an die heuchlerischen Schriftgelehrten und Pharisäer. Er sagt: „Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer! Heuchler! Denn ihr verschließt den Menschen das Königreich des Himmels. Ihr selbst geht nicht hinein, lasst aber auch die nicht hinein, die auf dem Weg dorthin sind“ (Matthäus 23:13).
Jesus verurteilt die Pharisäer, weil für sie das, was für Gott zählt, keine Bedeutung hat. Das erkennt man an den Unterschieden, die sie machen. Zum Beispiel sagen sie: „Wenn jemand beim Tempel schwört, hat das nichts zu bedeuten, aber wenn er beim Gold des Tempels schwört, dann ist er an seinen Eid gebunden.“ Daran merkt man, wie blind sie für das sind, was bei Jehova zählt. Für sie ist das Gold des Tempels mehr wert als der Tempel selbst, wo ja Jehova angebetet wird. Und sie vernachlässigen „das Wichtigere im Gesetz von Moses — Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Treue“ (Matthäus 23:16, 23; Lukas 11:42).
Zu Recht sagt Jesus zu ihnen: „Blinde Führer! Ihr siebt die Mücke aus, aber das Kamel schluckt ihr hinunter!“ (Matthäus 23:24). Die Pharisäer entfernen die Mücke aus dem Wein, weil dieses Insekt nach dem Gesetz unrein ist. Aber weil sie das Wichtigere im Gesetz außer Acht lassen, schlucken sie sozusagen ein Kamel hinunter — ein viel größeres unreines Tier! (3. Mose 11:4, 21-24).
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Jesu letzter Tag im TempelJesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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KAPITEL 110
Jesu letzter Tag im Tempel
MATTHÄUS 23:25 BIS 24:2 MARKUS 12:41 BIS 13:2 LUKAS 21:1-6
JESUS VERURTEILT DIE RELIGIÖSEN FÜHRER WEITER
DER TEMPEL WIRD ZERSTÖRT WERDEN
EINE ARME WITWE SPENDET ZWEI KLEINE MÜNZEN
Jesus nutzt seinen letzten Tag im Tempel, um die Heuchelei der Schriftgelehrten und Pharisäer weiter bloßzustellen, und er bezeichnet sie unverblümt als Heuchler. In bildhafter Sprache sagt er zu ihnen: „Ihr macht den Becher und die Schüssel außen sauber, aber innen sind sie voll von Gier und Maßlosigkeit. Du blinder Pharisäer! Mach den Becher und die Schüssel erst mal innen sauber, dann wird auch das Äußere sauber“ (Matthäus 23:25, 26). Die Pharisäer achten penibel auf rituelle Reinheit und darauf, wie sie nach außen hin wirken. Doch den inneren Menschen vernachlässigen sie und ihr Herz reinigen sie nicht.
Ihre Heuchelei zeigt sich auch daran, dass sie für die Propheten Grabmäler bauen und ihre Gräber schmücken. Doch wie Jesus bemerkt, sind sie „Söhne von Prophetenmördern“, was sie dadurch beweisen, dass sie ihn töten wollen (Matthäus 23:31; Johannes 5:18; 7:1, 25).
Dann weist Jesus darauf hin, was diesen religiösen Führern bevorsteht, wenn sie nicht bereuen: „Ihr Schlangen, ihr Otternbrut, wie wollt ihr der Gehennastrafe entkommen?“ (Matthäus 23:33). Das nahe gelegene Hinnomtal, das auch als Gehenna bezeichnet wird, ist ein Müllverbrennungsplatz — wirklich ein anschauliches Bild für die endgültige Vernichtung, die den bösen Schriftgelehrten und Pharisäern droht.
Wie wird man Jesu Jünger behandeln, die ihn als „Propheten, weise Männer und öffentliche Lehrer“ vertreten werden? Jesus sagt zu den religiösen Führern: „Einige von ihnen werdet ihr töten und am Pfahl hinrichten, andere werdet ihr in euren Synagogen auspeitschen und von Stadt zu Stadt verfolgen, sodass euch die Schuld am vergossenen Blut aller Gerechten auf der Erde trifft — vom Blut des gerechten Abel bis zum Blut von . . . Sacharja, den ihr . . . ermordet habt. Ich versichere euch: Für all das muss diese Generation bezahlen“ (Matthäus 23:34-36). Das bewahrheitet sich im Jahr 70, als die Römer Jerusalem zerstören und Hunderttausende Juden ihr Leben verlieren.
Über dieses bevorstehende Unglück nachzudenken macht Jesus sehr traurig. Er sagt: „Jerusalem, Jerusalem, du tötest die Propheten und steinigst die Boten, die zu dir gesandt werden! Wie oft wollte ich deine Kinder zusammenbringen, so wie eine Henne ihre Küken unter ihren Flügeln zusammenbringt! Aber ihr wolltet nicht. Seht! Euer Haus wird verlassen für euch zurückbleiben“ (Matthäus 23:37, 38). Wahrscheinlich fragen sich seine Zuhörer, von welchem Haus er spricht. Könnte er wirklich den herrlichen Tempel in Jerusalem meinen, den Gott scheinbar beschützt?
Dann fügt Jesus hinzu: „Ich sage euch: Ihr werdet mich von nun an auf keinen Fall mehr sehen, bis ihr sagt: ‚Gesegnet ist der, der im Namen Jehovas kommt!‘ “ (Matthäus 23:39). Er zitiert hier die prophetischen Worte aus Psalm 118:26: „Gesegnet ist der, der im Namen Jehovas kommt. Vom Haus Jehovas aus segnen wir euch.“ Da der Tempel in Jerusalem jedoch zerstört werden soll, wird niemand mehr im Namen Gottes dorthin kommen.
Nun geht Jesus in den Bereich des Tempels, wo die Schatzkästen stehen und die Leute spenden können. Jesus beobachtet, wie die Juden Münzen in die kleinen Öffnungen der Schatzkästen werfen, wobei die Reichen viel einwerfen. Dann sieht er eine arme Witwe, die nur „zwei kleine Münzen von ganz geringem Wert“ spendet (Markus 12:41, 42). Doch Jesus weiß, wie sehr sich Gott über ihren Beitrag freut.
Er ruft seine Jünger zu sich und sagt: „Ich versichere euch, dass diese arme Witwe mehr eingeworfen hat als alle anderen, die Geld in die Schatzkästen geworfen haben.“ Wie kann das sein? „Die anderen haben aus ihrem Überfluss heraus etwas eingeworfen“, erklärt Jesus. „Sie dagegen hat aus ihrer Armut heraus alles eingeworfen, was sie hatte, ihren ganzen Lebensunterhalt“ (Markus 12:43, 44). Wie sehr sie sich doch von den religiösen Führern unterscheidet!
Der 11. Nisan ist noch nicht vorbei, als Jesus den Tempel zum letzten Mal verlässt. Einer von seinen Jüngern ruft aus: „Lehrer, sieh mal, was für herrliche Steine und Bauten!“ (Markus 13:1). Einige Steine in den Tempelmauern sind riesig und vermitteln so zusätzlich den Eindruck von Stärke und Beständigkeit. Daher verwundert es bestimmt sehr, als Jesus sagt: „Siehst du diese großen Bauten? Hier wird kein einziger Stein auf dem anderen bleiben. Alles wird zerstört“ (Markus 13:2).
Dann durchqueren Jesus und seine Apostel das Kidrontal und steigen den Ölberg hinauf. Irgendwann ist Jesus dann mit den vier Aposteln Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes allein. Vom Ölberg aus können sie auf den herrlichen Tempel schauen.
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Die Apostel erkundigen sich nach einem ZeichenJesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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KAPITEL 111
Die Apostel erkundigen sich nach einem Zeichen
MATTHÄUS 24:3-51 MARKUS 13:3-37 LUKAS 21:7-38
VIER APOSTEL ERKUNDIGEN SICH BEI JESUS NACH EINEM ZEICHEN
DIE ERFÜLLUNG IM ERSTEN JAHRHUNDERT UND SPÄTER
WIR MÜSSEN WACHSAM BLEIBEN
Es ist Dienstagnachmittag und der 11. Nisan neigt sich langsam dem Ende. Jesus hat sehr ausgefüllte Tage hinter sich. Tagsüber hat er im Tempel gelehrt und die Nächte hat er außerhalb der Stadt verbracht. Etliche vom Volk haben ihm sehr gern zugehört und sind „immer schon frühmorgens zum Tempel“ gekommen (Lukas 21:37, 38). Doch das ist nun vorbei. Jetzt sitzt Jesus mit vier Aposteln — Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes — auf dem Ölberg.
Diese vier sind allein zu ihm gekommen. Sie machen sich Gedanken, weil Jesus angekündigt hat, dass vom Tempel kein Stein auf dem anderen bleiben wird. Es beschäftigt sie allerdings noch etwas anderes. Zuvor hatte Jesus sie aufgefordert: „Haltet auch ihr euch bereit, denn der Menschensohn kommt zu einem Zeitpunkt, den ihr nicht für wahrscheinlich haltet“ (Lukas 12:40). Er hatte auch von dem Tag gesprochen, „an dem der Menschensohn offenbart wird“ (Lukas 17:30). Hängt das irgendwie mit dem zusammen, was er gerade über den Tempel gesagt hat? Das würden die Apostel zu gern wissen und fragen: „Sag uns: Wann wird das passieren und an welchem Zeichen wird man deine Gegenwart und den Abschluss des Weltsystems erkennen?“ (Matthäus 24:3).
Vielleicht denken sie dabei an die Zerstörung des Tempels, den sie vor sich sehen. Außerdem fragen sie nach der Gegenwart des Menschensohnes. Womöglich erinnern sie sich noch an Jesu Veranschaulichung von dem „Mann von vornehmer Herkunft“, der verreist, „um sich die Königsmacht zu sichern und dann zurückzukehren“ (Lukas 19:11, 12). Und sie würden gern wissen, woran der „Abschluss des Weltsystems“ zu erkennen wäre.
Darauf beschreibt Jesus ausführlich ein Zeichen, an dem die baldige Zerstörung des Tempels und des jüdischen Systems zu erkennen wäre. Dieses Zeichen würde aber auch Christen in der Zukunft erkennen helfen, dass sie während Jesu „Gegenwart“ leben und dass das Ende des gesamten Weltsystems nahe ist.
Viele Einzelheiten aus Jesu Prophezeiung beginnen sich schon zu Lebzeiten der Apostel zu erfüllen. Daher wird es 37 Jahre später für wachsame Christen nicht unerwartet kommen, wenn das jüdische System samt Tempel vernichtet wird. Allerdings erfüllt sich bis zum Jahr 70 nicht alles, was Jesus vorhersagt. Was wird daher seine Gegenwart in Königsmacht kennzeichnen?
Wie Jesus voraussagt, wird es „Kriege und Kriegsberichte“ geben und „ein Volk wird sich gegen das andere erheben und ein Land gegen das andere“ (Matthäus 24:6, 7). Er kündigt auch an: „Es wird große Erdbeben geben und in einer Gegend nach der anderen Lebensmittelknappheit und Seuchen“ (Lukas 21:11). Und er warnt seine Jünger: „Man [wird] gegen euch vorgehen und euch verfolgen“ (Lukas 21:12). Falsche Propheten werden auftreten und viele täuschen. Und wegen der zunehmenden Gesetzlosigkeit wird die Liebe der meisten erkalten. Wie Jesus aber auch sagt, wird „die gute Botschaft vom Königreich . . . auf der ganzen bewohnten Erde bekannt gemacht werden als Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen“ (Matthäus 24:14).
Wie bereits erwähnt, erfüllt sich vor und während der Zerstörung Jerusalems durch die Römer nicht alles, was Jesus voraussagt. Die hauptsächliche Erfüllung seiner bedeutsamen Prophezeiung fällt in die heutige Zeit. Erkennen wir die Beweise dafür?
In seiner Beschreibung des Zeichens erwähnt Jesus das Erscheinen eines „abscheulichen Verwüsters“ (Matthäus 24:15). Im Jahr 66 ist dieser Verwüster das römische Heer mit seinen götzenhaften Feldzeichen, das Jerusalem belagert und einige Mauerabschnitte untergräbt (Lukas 21:20). Damit steht der „abscheuliche Verwüster“ an einem Ort, wo er nicht hingehört — am „heiligen Ort“ der Juden.
Jesus sagt außerdem voraus: „Dann kommt eine große Drangsal, wie es sie von Anfang der Welt bis jetzt nicht gegeben hat und auch nie wieder geben wird.“ Im Jahr 70 zerstören die Römer Jerusalem. Die Zerstörung der „heiligen Stadt“ der Juden samt ihrem Tempel erweist sich als eine große Drangsal, in der Hunderttausende ihr Leben verlieren (Matthäus 4:5; 24:21). Diese Drangsal ist das Schlimmste, was die Stadt und das jüdische Volk bis dahin erleben. Darüber hinaus beendet sie das System der Anbetung, das die Juden seit Jahrhunderten pflegen. Daher muss jede spätere, größere Erfüllung von Jesu Prophezeiung einfach fürchterlich sein.
IN DER ZEIT DES ENDES ZUVERSICHTLICH
Jesu Beschreibung des Zeichens seiner Gegenwart in Königsmacht und des Abschlusses des Weltsystems ist noch lange nicht zu Ende. Nun warnt er seine Apostel davor, „falschen Christussen und falschen Propheten“ nachzulaufen. Wie er sagt, würde man versuchen, „wenn möglich sogar die Auserwählten zu täuschen“ (Matthäus 24:24). Aber diese würden sich nicht in die Irre führen lassen. Falsche Christusse können nur sichtbar in Erscheinung treten. Aber Jesu Gegenwart würde unsichtbar sein.
Über die große Drangsal am Ende des gegenwärtigen Weltsystems sagt Jesus: „Die Sonne [wird sich] verfinstern, der Mond hört auf zu leuchten, die Sterne fallen vom Himmel und die Kräfte des Himmels werden erschüttert“ (Matthäus 24:29). Wahrscheinlich können die Apostel nur erahnen, wie sich diese erschreckende Beschreibung erfüllen wird. Doch eins ist sicher — die Drangsal wird entsetzlich sein.
Wie werden sich diese erschütternden Ereignisse auswirken? „Die Menschen werden ohnmächtig werden vor Angst und Erwartung dessen, was auf die bewohnte Erde zukommt, denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert“ (Lukas 21:26). Jesus beschreibt hier tatsächlich die dunkelste Zeit der Menschheitsgeschichte.
Doch wie Jesus seinen Aposteln versichert, werden nicht alle verzweifeln, wenn der „Menschensohn mit Macht und großer Herrlichkeit“ kommt (Matthäus 24:30). Er hat schon angedeutet, dass Gott „wegen der Auserwählten“ eingreifen würde (Matthäus 24:22). Wie sollten diese Treuen also auf die erschreckenden Ereignisse reagieren, die Jesus ankündigt? Sie können zuversichtlich sein, denn Jesus sagt: „Wenn das alles anfängt, dann richtet euch auf und hebt den Kopf, denn eure Befreiung rückt immer näher“ (Lukas 21:28).
Woran könnten die Jünger, die dann leben, also erkennen, dass das Ende nahe ist? Jesus vergleicht dies mit einem Feigenbaum: „Sobald seine Zweige saftig und grün werden, wisst ihr, dass der Sommer nah ist. So erkennt auch ihr, wenn ihr all das seht, dass er nah ist, ja vor der Tür steht. Ich versichere euch: Diese Generation wird auf keinen Fall vergehen, bis das alles passiert“ (Matthäus 24:32-34).
Wenn seine Nachfolger daher die unterschiedlichen Merkmale des Zeichens beobachten, werden sie wissen, dass das Ende nahe ist. Jesus führt ihnen jedoch deutlich vor Augen:
„Den Tag und die Stunde kennt niemand, weder die Engel im Himmel noch der Sohn, sondern nur der Vater. So wie die Zeit Noahs war, so wird die Gegenwart des Menschensohnes sein. Denn in der Zeit vor der Sintflut aßen und tranken die Menschen, sie heirateten und wurden verheiratet bis zu dem Tag, an dem Noah in die Arche ging, und sie nahmen keine Notiz von allem, bis die Flut kam und sie alle mit sich riss. So wird auch die Gegenwart des Menschensohnes sein“ (Matthäus 24:36-39). Jesus stellt hier eine Parallele zur Sintflut her — einem Ereignis, von dem die ganze Welt betroffen war.
Bestimmt erkennen die vier Apostel, wie wichtig es ist, wachsam zu bleiben. Schließlich fordert Jesus sie auf: „Passt . . . auf euch auf, damit euer Herz niemals durch zu viel Essen und zu viel Trinken und die Sorgen des Lebens schwer beladen wird und jener Tag plötzlich, in einem Augenblick, über euch kommt wie eine Schlinge. Denn er wird über alle kommen, die auf der ganzen Erdoberfläche wohnen. Bleibt also wach und fleht dabei ständig, damit ihr es schafft, allem, was geschehen muss, zu entkommen und vor dem Menschensohn zu stehen“ (Lukas 21:34-36).
So betont Jesus noch einmal, dass er in seiner Prophezeiung nicht lediglich Ereignisse voraussagt, die sich in 30 oder 40 Jahren erfüllen und nur Jerusalem oder die jüdische Nation betreffen werden. Nein, er weist auf Ereignisse hin, die „über alle kommen, die auf der ganzen Erdoberfläche wohnen“.
Jesus rät seinen Jüngern eindringlich, wachsam zu bleiben und bereit zu sein. Das unterstreicht er mit einem weiteren Beispiel: „Eins ist klar: Wenn der Hausbesitzer weiß, zu welcher Zeit der Dieb kommt, dann bleibt er wach und lässt ihn nicht bei sich einbrechen. Deshalb: Haltet auch ihr euch bereit, denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr nicht damit rechnet“ (Matthäus 24:43, 44).
Jesus liefert seinen Jüngern einen weiteren Grund, zuversichtlich zu sein. Anhand einer Alltagssituation zeigt er ihnen, dass es in der Zeit, in der sich seine Prophezeiung erfüllt, einen „Sklaven“ geben wird, der wachsam und aktiv ist. Er sagt: „Wer ist in Wirklichkeit der treue und verständige Sklave, dem sein Herr die Verantwortung für seine Hausdiener übertragen hat, damit er ihnen zur richtigen Zeit ihre Nahrung gibt? Glücklich ist jener Sklave, wenn sein Herr kommt und sieht, dass er genau das tut! Ich versichere euch: Sein Herr wird ihm die Verantwortung für seinen ganzen Besitz übertragen.“ Sollte der Sklave allerdings eine schlechte Einstellung entwickeln und andere misshandeln, würde der Herr „ihn äußerst hart bestrafen“ (Matthäus 24:45-51; vergleiche Lukas 12:45, 46).
Damit sagt Jesus jedoch nicht voraus, dass es unter seinen Nachfolgern eine Gruppe geben wird, die so eine schlechte Einstellung entwickeln würde. Worum geht es ihm dann? Er möchte seine Jünger dazu anspornen, wachsam und aktiv zu bleiben, und das verdeutlicht er in einer weiteren Veranschaulichung.
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Die zehn Jungfrauen — ein Appell zur WachsamkeitJesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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KAPITEL 112
Die zehn Jungfrauen — ein Appell zur Wachsamkeit
JESUS ERZÄHLT DAS GLEICHNIS VON DEN ZEHN JUNGFRAUEN
Jesus hat seinen Aposteln gerade die Frage beantwortet, an welchem Zeichen seine Gegenwart und der Abschluss des Weltsystems zu erkennen wären. Daran anknüpfend erzählt er nun eine weitere Geschichte, die eine eindringliche Aufforderung enthält. Die Erfüllung werden diejenigen beobachten können, die während seiner Gegenwart leben.
Einleitend sagt Jesus: „Mit dem Königreich des Himmels ist es . . . wie mit zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und hinausgingen, dem Bräutigam entgegen. Fünf von ihnen waren unvernünftig und fünf waren umsichtig“ (Matthäus 25:1, 2).
Jesus meint damit nicht, die eine Hälfte seiner Jünger, die das Königreich des Himmels erben, sei unvernünftig und die andere Hälfte umsichtig. Er macht stattdessen Folgendes deutlich: Jeder seiner Jünger kann sich dafür entscheiden, in Bezug auf das Königreich entweder wachsam zu sein oder sich ablenken zu lassen. Jesus hat allerdings keine Zweifel, dass jeder seiner Diener treu bleiben und von seinem Vater gesegnet werden kann.
In der Geschichte gehen alle zehn Jungfrauen hinaus, um den Bräutigam zu begrüßen und sich dem Hochzeitszug anzuschließen. Sobald der Bräutigam kommt, wollen sie ihm die Ehre erweisen und ihm den Weg leuchten, wenn er seine Braut zu dem für sie vorbereiteten Haus führt. Es kommt aber anders.
Jesus sagt: „Die unvernünftigen nahmen . . . nur ihre Lampen mit, aber kein Öl zum Nachfüllen, die umsichtigen dagegen nahmen außer ihren Lampen noch Ölflaschen mit. Doch da der Bräutigam auf sich warten ließ, wurden sie alle müde und schliefen ein“ (Matthäus 25:3-5). Der Bräutigam kommt nicht so früh wie erwartet. Er scheint sich sehr zu verspäten und alle Jungfrauen nicken ein. Das erinnert die Apostel vielleicht an die Geschichte von dem Mann von vornehmer Herkunft, der verreiste, um sich die Königsmacht zu sichern. Von ihm sagte Jesus, dass er „schließlich zurückkehrte“ (Lukas 19:11-15).
Dann schildert Jesus, was geschieht, als der Bräutigam endlich kommt: „Mitten in der Nacht hörte man auf einmal den Ruf: ‚Hier kommt der Bräutigam! Geht hinaus, ihm entgegen!‘ “ (Matthäus 25:6). Aber sind die Jungfrauen wachsam und bereit?
Jesus erzählt weiter: „Da standen alle Jungfrauen auf und brachten ihre Lampen in Ordnung. Die unvernünftigen sagten zu den umsichtigen: ‚Gebt uns etwas von eurem Öl ab, sonst gehen unsere Lampen aus.‘ Da sagten die umsichtigen Jungfrauen: ‚Vielleicht reicht es dann nicht für uns und euch. Geht doch zu den Händlern und kauft euch welches‘ “ (Matthäus 25:7-9).
Die unvernünftigen Jungfrauen sind also weder wachsam noch auf die Ankunft des Bräutigams vorbereitet. Sie haben nicht genug Öl dabei und müssen nun zusehen, wo sie welches bekommen. Jesus sagt: „Während sie weggingen, um Öl zu kaufen, kam der Bräutigam. Die Jungfrauen, die vorbereitet waren, gingen mit ihm zur Hochzeitsfeier, und die Tür wurde geschlossen. Danach kamen auch die anderen Jungfrauen und sagten: ‚Herr, Herr, mach uns auf!‘ Doch er erwiderte: ‚Ich sage euch die Wahrheit: Ich kenne euch nicht‘ “ (Matthäus 25:10-12). Was für traurige Folgen es für sie hat, nicht wachsam und bereit gewesen zu sein!
Den Aposteln dürfte klar sein, dass Jesus mit dem Bräutigam sich selbst meint, denn er hat sich vorher schon mit einem Bräutigam verglichen (Lukas 5:34, 35). Und was ist mit den umsichtigen Jungfrauen? Als Jesus über die „kleine Herde“ sprach, der das Königreich gegeben wird, sagte er: „Seid fertig angezogen und bereit, und lasst eure Lampen brennen“ (Lukas 12:32, 35). Die Apostel können daher schlussfolgern, dass Jesus diejenigen meint, die wie sie zur kleinen Herde gehören. Was will Jesus durch dieses Gleichnis also sagen?
Das erklärt er selbst, als er abschließend sagt: „Bleibt deshalb wachsam, denn ihr kennt weder den Tag noch die Stunde“ (Matthäus 25:13).
Jesus fordert seine treuen Nachfolger somit nachdrücklich auf, während seiner Gegenwart wachsam zu bleiben. Er wird kommen, und sie müssen — wie die fünf umsichtigen Jungfrauen — bereit und wachsam sein. Nur dann verlieren sie ihre kostbare Hoffnung nicht aus dem Blick und lassen sich ihre Belohnung nicht entgehen.
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Die Talente — warum Fleiß wichtig istJesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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KAPITEL 113
Die Talente — warum Fleiß wichtig ist
JESUS ERZÄHLT DIE VERANSCHAULICHUNG VON DEN TALENTEN
Jesus und seine vier Apostel sind nach wie vor auf dem Ölberg, und er setzt nun zu einer weiteren Veranschaulichung an. Sie weist einige Ähnlichkeiten zu der Geschichte von den Minen auf, die er vor ein paar Tagen in Jericho erzählt hat, um zu zeigen, dass das Königreich noch in weiter Ferne liegt. Die Veranschaulichung ist Teil seiner Erklärung zu seiner Gegenwart und dem Abschluss des Weltsystems. Und sie macht deutlich, dass sich Jesu Jünger fleißig in dem Werk einsetzen müssen, das er ihnen anvertraut.
Jesus beginnt: „Es ist wie mit einem Mann, der sich auf eine weite Reise machen wollte, seine Sklaven zu sich rief und ihnen sein Vermögen anvertraute“ (Matthäus 25:14). Jesus hat sich schon einmal mit einem Mann verglichen, der, „um sich die Königsmacht zu sichern“, in ein fernes Land reist (Lukas 19:12). Daher ist es für die Apostel nicht schwer zu erkennen, dass es sich bei dem Mann in dieser Veranschaulichung ebenfalls um Jesus handelt.
Vor der Abreise vertraut der Mann sein Vermögen seinen Sklaven an. Jesus hat sich in den dreieinhalb Jahren seines Dienstes darauf konzentriert, die gute Botschaft von Gottes Königreich zu predigen, und hat auch seine Jünger darin geschult. Jetzt wird er bald gehen — zuversichtlich, dass sie sein Werk fortsetzen werden (Matthäus 10:7; Lukas 10:1, 8, 9; vergleiche Johannes 4:38; 14:12).
Wie teilt der Mann in der Geschichte sein Vermögen auf? Jesus sagt: „Dem einen gab er fünf Talente, dem anderen zwei und noch einem anderen eins — jedem nach seinen Fähigkeiten. Dann reiste er ab“ (Matthäus 25:15). Was werden die Sklaven mit den ihnen anvertrauten Talenten nun anfangen? Werden sie sie im Interesse ihres Herrn verwalten? Jesus erzählt:
„Der mit den fünf Talenten ging sofort los, machte Geschäfte damit und verdiente fünf Talente dazu. Und der mit den zwei Talenten verdiente zwei dazu. Doch der mit dem einen Talent ging weg, grub ein Loch in die Erde und versteckte das Geld seines Herrn“ (Matthäus 25:16-18). Was passiert, als der Herr zurückkommt?
„Nach langer Zeit kam der Herr und machte mit den Sklaven die Abrechnung“ (Matthäus 25:19). Die ersten beiden haben ihren Fähigkeiten entsprechend alles getan, was ihnen möglich war. Beide haben sich fleißig und gewissenhaft um das gekümmert, was ihnen anvertraut wurde, und das Vermögen ihres Herrn vergrößert. Sowohl der mit den fünf Talenten als auch der mit den zwei hat das Geld verdoppelt. (Zu dieser Zeit braucht ein Arbeiter normalerweise über 19 Jahre, um das zu verdienen, was einem Talent entspricht.) Der Herr lobt beide Sklaven mit den Worten: „Gut gemacht, du guter und treuer Sklave! Du hast das wenige treu verwaltet, deshalb werde ich dir viel anvertrauen. Komm und hab teil an der Freude deines Herrn“ (Matthäus 25:21).
Doch der Sklave, der das eine Talent bekommen hat, gesteht: „Herr, ich wusste, dass du ein fordernder Mann bist und dass du erntest, wo du nicht gesät hast, und einsammelst, wo du nicht geworfelt hast. Deshalb bekam ich Angst und hab dein Talent in der Erde vergraben. Hier hast du zurück, was dir gehört“ (Matthäus 25:24, 25). Er hat das Geld nicht einmal zu den Bankleuten gebracht, damit sein Herr wenigstens Zinsen dafür bekommt. In Wirklichkeit hat der Sklave gegen die Interessen seines Herrn gearbeitet.
Zu Recht nennt ihn sein Herr deshalb einen „schlechten und faulen Sklaven“. Was er hat, wird ihm daher genommen und dem ersten Sklaven gegeben, der bereit ist, sich fleißig einzusetzen. Der Herr erklärt: „Jeder, der hat, wird mehr bekommen und Überfluss haben. Aber wer nicht hat, dem wird selbst das, was er hat, weggenommen werden“ (Matthäus 25:26, 29).
Da haben Jesu Jünger einiges zum Nachdenken. Ihnen ist bestimmt bewusst, dass Jesus ihnen etwas sehr Kostbares anvertraut: das unschätzbare Vorrecht, Menschen zu seinen Jüngern zu machen. Und er erwartet von ihnen, fleißig zu sein. Allerdings erwartet er nicht, dass alle beim Predigen gleich viel leisten. Wie die Veranschaulichung zeigt, sollte sich jeder „nach seinen Fähigkeiten“ anstrengen. Wer aber wie der faule Sklave nicht sein Bestes gibt, um das Vermögen des Herrn zu vermehren, wird Jesus auf keinen Fall zufriedenstellen.
Doch die Apostel können sich bestimmt über die Zusicherung freuen: „Jeder, der hat, wird mehr bekommen.“
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Wenn der Christus die Schafe und Ziegen richtetJesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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KAPITEL 114
Wenn der Christus die Schafe und Ziegen richtet
JESUS ERZÄHLT DAS GLEICHNIS VON DEN SCHAFEN UND DEN ZIEGEN
Jesus hat auf dem Ölberg seinen Aposteln gerade die Veranschaulichungen von den zehn Jungfrauen und von den Talenten erzählt. Nun schließt er seine Antwort auf ihre Frage nach seiner Gegenwart und dem Abschluss des Weltsystems ab. Er bringt ein letztes Gleichnis, in dem es um Schafe und Ziegen geht.
Jesus schildert zuerst den Rahmen: „Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, wird er sich auf seinen herrlichen Thron setzen“ (Matthäus 25:31). Es ist offensichtlich, dass er selbst die zentrale Figur ist, denn er hat sich schon oft als den „Menschensohn“ bezeichnet (Matthäus 8:20; 9:6; 20:18, 28).
Wann wird sich dieses Gleichnis erfüllen? Wenn Jesus zusammen mit den Engeln „in seiner Herrlichkeit kommt“ und sich „auf seinen herrlichen Thron“ setzt. Er hat bereits davon gesprochen, dass der Menschensohn mit seinen Engeln „mit großer Macht und Herrlichkeit in den Wolken“ kommen wird. Wann wird das sein? „Direkt nach der Drangsal“ (Matthäus 24:29-31; Markus 13:26, 27; Lukas 21:27). Dieses Gleichnis wird sich also erfüllen, wenn Jesus in der Zukunft in Herrlichkeit kommt. Was wird er dann tun?
„Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt“, erklärt Jesus, „[werden] alle Völker . . . vor ihm versammelt werden, und er wird die Menschen voneinander trennen, so wie ein Hirte die Schafe von den Ziegen trennt. Die Schafe wird er an seine rechte Seite stellen und die Ziegen an seine linke“ (Matthäus 25:31-33).
Wie Jesus sagt, wird der König zu den Schafen an seiner rechten Seite — der Seite der Gunst — sagen: „Kommt alle her, die mein Vater gesegnet hat, erbt das Königreich, das seit Grundlegung der Welt für euch vorbereitet wurde“ (Matthäus 25:34). Aus welchem Grund erhalten die Schafe die Gunst des Königs?
Der König erklärt: „Ich bekam Hunger und ihr habt mir etwas zu essen gegeben. Ich hatte Durst und ihr habt mir etwas zu trinken gegeben. Ich war ein Fremder und ihr habt mich gastfreundlich aufgenommen, ich hatte nichts anzuziehen und ihr habt mir Kleidung gegeben. Ich wurde krank und ihr habt nach mir gesehen. Ich war im Gefängnis und ihr habt mich besucht.“ Als die Schafe — „die Gerechten“ — nachfragen, wann sie ihm all das Gute getan haben, antwortet der König: „Was immer ihr für einen dieser meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr für mich getan“ (Matthäus 25:35, 36, 40, 46). Das kann nicht im Himmel gewesen sein, denn dort gibt es niemand, der krank oder hungrig ist. Die Gerechten müssen daher auf der Erde Christi Brüdern Gutes getan haben.
Und was ist mit den Ziegen, die der König an seine linke Seite stellt? Wie Jesus erklärt, wird er zu ihnen sagen: „Geht weg von mir, die ihr verflucht worden seid, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel vorbereitet ist. Denn ich bekam Hunger, aber ihr habt mir nichts zu essen gegeben. Ich hatte Durst, aber ihr habt mir nichts zu trinken gegeben. Ich war ein Fremder, aber ihr habt mich nicht gastfreundlich aufgenommen, hatte nichts anzuziehen, aber ihr habt mir keine Kleidung gegeben. Ich wurde krank und war im Gefängnis, aber ihr habt nicht nach mir gesehen“ (Matthäus 25:41-43). Sie hätten Christi Brüder auf der Erde gut behandeln sollen. Da sie das aber nicht getan haben, ist dieses Urteil verdient.
Wie Jesus erklärt, wird der König zu den Ziegen sagen: „Ich versichere euch: Was immer ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch für mich nicht getan.“ Jesus fährt fort: „Sie werden in die ewige Abschneidung gehen, die Gerechten aber in das ewige Leben“ (Matthäus 25:45, 46). Den Aposteln dürfte somit klar sein, dass das Urteil in diesem zukünftigen Gericht endgültig sein wird.
Jesu Antwort auf die Frage seiner Apostel gibt allen seinen Nachfolgern viel Stoff zum Nachdenken — und hilft ihnen, ihr Denken und Tun zu überprüfen.
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