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Vom Sanhedrin verurteilt, dann zu PilatusJesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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KAPITEL 127
Vom Sanhedrin verurteilt, dann zu Pilatus
MATTHÄUS 27:1-11 MARKUS 15:1 LUKAS 22:66 BIS 23:3 JOHANNES 18:28-35
MORGENDLICHE GERICHTSVERHANDLUNG VOR DEM SANHEDRIN
JUDAS ISKARIOT VERSUCHT, SICH ZU ERHÄNGEN
JESUS WIRD ZU PILATUS GEBRACHT, DAMIT DIESER IHN VERURTEILT
Die Nacht ist fast vorüber, als Petrus seinen Herrn zum dritten Mal verleugnet. Der Scheinprozess vor dem Sanhedrin ist beendet und die Mitglieder trennen sich. Bei Tagesanbruch kommen sie wieder zusammen, um ihr Urteil zu bestätigen und von dem illegalen nächtlichen Prozess abzulenken. Wieder muss Jesus vor ihnen erscheinen.
Der Rat fordert ihn auf: „Wenn du der Christus bist, dann sag es uns.“ Darauf entgegnet er: „Selbst wenn ich es euch sagen würde, ihr würdet es auf keinen Fall glauben. Und würde ich euch etwas fragen, würdet ihr nicht antworten.“ Dann ergänzt er: „Der Menschensohn wird ab jetzt an der mächtigen rechten Seite Gottes Platz nehmen“ (Lukas 22:67-69; Matthäus 26:63). So erklärt er mutig, dass er derjenige ist, der in Daniel 7:13 vorausgesagt wurde.
Die Ratsmitglieder lassen nicht locker und fragen Jesus: „Bist du also der Sohn Gottes?“ „Ihr selbst sagt, dass ich es bin.“ Das reicht ihnen als Grund, um Jesus wegen Gotteslästerung hinrichten zu lassen. „Wozu brauchen wir weitere Zeugenaussagen?“, fragen sie (Lukas 22:70, 71; Markus 14:64). Sie fesseln ihn und bringen ihn zu dem römischen Statthalter Pontius Pilatus.
Womöglich beobachtet Judas Iskariot, wie Jesus abgeführt wird. Als ihm bewusst wird, dass Jesus verurteilt worden ist, packt ihn das schlechte Gewissen. Doch statt aufrichtig zu bereuen und sich an Gott zu wenden, geht er in seiner Verzweiflung zu den Oberpriestern, um die 30 Silberstücke zurückzugeben. Er gesteht: „Ich habe gesündigt, als ich einen Unschuldigen verriet.“ Doch er bekommt nur die kaltherzige Antwort: „Was geht uns das an? Das ist dein Problem!“ (Matthäus 27:4).
Da wirft Judas die Silberstücke in den Tempel. Dann versucht er, sich zu erhängen. Doch der Ast, an dem er das Seil befestigt hat, bricht offensichtlich ab und er stürzt auf die darunterliegenden Felsen, wo sein Körper aufplatzt (Apostelgeschichte 1:17, 18). Durch seinen Selbstmord lädt er nur noch mehr Schuld auf sich.
Es ist noch früh am Morgen, als die Juden mit Jesus bei der Residenz von Pontius Pilatus ankommen. Sie wollen allerdings nicht hineingehen, da sie befürchten, durch den Kontakt mit Nichtjuden unrein zu werden. Am Abend beginnt nämlich der 15. Nisan, der erste Tag des Festes der ungesäuerten Brote, das als Teil der Passahzeit gilt. Wären sie dann unrein, könnten sie nicht an dem besonderen Essen teilnehmen.
Darum kommt Pilatus zu ihnen heraus und fragt: „Welche Anklage erhebt ihr gegen diesen Mann?“ Sie erwidern: „Wenn er kein Verbrecher wäre, hätten wir ihn dir nicht übergeben.“ Pilatus fühlt sich wohl von ihnen unter Druck gesetzt und sagt daher: „Dann nehmt ihn und verurteilt ihn doch selbst nach eurem Gesetz.“ Da antworten die Juden: „Wir dürfen niemanden hinrichten“, und lassen so ihre mörderischen Absichten durchblicken (Johannes 18:29-31).
Sie befürchten, dass es unter dem Volk zu Unruhen kommt, wenn sie Jesus beim Passah töten. Aber wenn sie die Römer dazu bringen könnten, ihn aus einem politischen Grund hinzurichten — wozu diese ja berechtigt sind —, könnte das Volk sie für seinen Tod nicht verantwortlich machen.
Die religiösen Führer verheimlichen Pilatus, dass sie Jesus aufgrund von Gotteslästerung verurteilt haben. Stattdessen bringen sie drei erfundene Anklagen vor: „Wie wir herausgefunden haben, hetzt dieser Mann unser Volk auf, verbietet, Cäsar Steuern zu zahlen, und behauptet, er selbst sei Christus, ein König“ (Lukas 23:2).
Als Vertreter Roms hat Pilatus allen Grund, bei dem dritten Anklagepunkt hellhörig zu werden. Deshalb geht er wieder hinein, lässt Jesus rufen und fragt: „Bist du der König der Juden?“ Damit sagt er gewissermaßen: „Stellst du dich gegen Cäsar, indem du dich als König bezeichnest, und übertrittst so das Gesetz des Römischen Reichs?“ Möglicherweise um herauszufinden, wie viel Pilatus bereits über ihn weiß, antwortet Jesus: „Fragst du das von dir aus oder haben dir andere von mir erzählt?“ (Johannes 18:33, 34).
Pilatus gibt zu verstehen, dass er so gut wie nichts über Jesus weiß, aber gern mehr erfahren würde: „Bin ich etwa ein Jude? Dein eigenes Volk und die Oberpriester haben dich mir ausgeliefert. Was hast du getan?“ (Johannes 18:35).
Jesus versucht nicht, der zentralen Frage auszuweichen, bei der es um sein Königtum geht. Doch seine Antwort dürfte den Statthalter Pilatus ziemlich überraschen.
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Von Pilatus und Herodes für unschuldig befundenJesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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KAPITEL 128
Von Pilatus und Herodes für unschuldig befunden
MATTHÄUS 27:12-14, 18, 19 MARKUS 15:2-5 LUKAS 23:4-16 JOHANNES 18:36-38
JESUS WIRD VON PILATUS, DANN VON HERODES VERHÖRT
Jesus versucht nicht, vor Pilatus zu verbergen, dass er wirklich ein König ist, sondern erklärt: „Mein Königreich ist kein Teil dieser Welt. Wäre mein Königreich ein Teil dieser Welt, dann hätten meine Diener gekämpft, damit ich den Juden nicht ausgeliefert werde. Nun aber ist mein Königreich nicht von hier“ (Johannes 18:36). Jesu Königreich stellt somit keine Gefahr für Rom dar, da es sich nicht hier auf der Erde befindet.
Doch mit dieser Erklärung gibt sich Pilatus nicht zufrieden und hakt noch einmal nach: „Bist du nun also ein König?“ Jesus bestätigt: „Du sagst selbst, dass ich ein König bin. Dazu wurde ich geboren und dazu kam ich in die Welt: um die Wahrheit zu bezeugen. Jeder, der auf der Seite der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme“ (Johannes 18:37).
Vorher hat Jesus zu Thomas gesagt: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“ Und nun erfährt sogar Pilatus, warum Jesus zur Erde gesandt wurde: um die Wahrheit zu bezeugen, vor allem die Wahrheit über sein Königreich. Jesus ist fest entschlossen, immer zu dieser Wahrheit zu stehen, selbst wenn es für ihn den Tod bedeutet. Pilatus fragt: „Was ist Wahrheit?“, wartet die Antwort aber nicht ab. Er hat genug gehört, um sich ein Urteil über diesen Mann zu bilden (Johannes 14:6; 18:38).
Pilatus geht wieder nach draußen zu der Menge, die vor der Residenz wartet. Jesus steht offensichtlich neben ihm, als er verkündet: „Ich sehe keinen Grund, diesen Mann zu verurteilen.“ Die Oberpriester und die anderen ärgern sich über diese Entscheidung. Sie lassen nicht locker und erklären: „Mit seinen Lehren hetzt er in ganz Judäa das Volk auf, angefangen von Galiläa bis hierher!“ (Lukas 23:4, 5).
Die Oberpriester und älteren Männer hören nicht auf, gegen Jesus zu hetzen. Ihr blinder Fanatismus muss Pilatus ziemlich erstaunen. Er fragt Jesus: „Hörst du nicht, was sie alles gegen dich aussagen?“ (Matthäus 27:13). Doch Jesus schweigt. Trotz der heftigen Anklagen bleibt er völlig ruhig, was Pilatus sehr verwundert.
Pilatus ist die Bemerkung der Juden aufgefallen, Jesus habe zuerst die Leute in Galiläa aufgehetzt. Darin sieht er eine Chance, sich der Verantwortung zu entziehen, ein Urteil über Jesus fällen zu müssen. Als er nachfragt und erfährt, dass Jesus tatsächlich aus Galiläa kommt, schickt er ihn zu Herodes Antipas (dem Sohn von Herodes dem Großen), dem Herrscher von Galiläa. Herodes hält sich gerade wegen des Passahs in Jerusalem auf. Er ist derjenige, der Johannes den Täufer enthaupten ließ. Später hörte er von Jesu Wundern und dachte, er sei der auferstandene Johannes (Lukas 9:7-9).
Herodes freut sich über die Gelegenheit, Jesus persönlich zu treffen — aber nicht etwa, um ihm zu helfen oder um herauszufinden, ob die Anklagen gegen ihn tatsächlich wahr sind. Er ist einfach nur neugierig und hofft, „irgendein Zeichen“ von Jesus zu sehen (Lukas 23:8). Jesus tut jedoch nichts, was Herodes’ Neugier stillen würde. Als dieser ihn befragt, sagt er kein einziges Wort. Enttäuscht lassen Herodes und seine Soldaten ihn ihre Verachtung spüren (Lukas 23:11). Sie ziehen ihm ein prächtiges Gewand an und machen sich über ihn lustig. Dann schickt Herodes ihn zu Pilatus zurück. An diesem Tag werden aus den beiden Feinden gute Freunde.
Als Jesus wieder bei Pilatus ist, ruft dieser die Oberpriester, die jüdischen Vorsteher und das Volk zusammen und erklärt: „Wie ihr seht, habe ich ihn vor euch verhört, finde aber keine Bestätigung für eure Anschuldigungen. Auch Herodes konnte nichts feststellen, denn er hat ihn zu uns zurückgeschickt. Und seht, er hat nichts getan, wofür er den Tod verdient. Ich werde ihn also bestrafen und dann freilassen“ (Lukas 23:14-16).
Pilatus hat durchschaut, dass die Oberpriester Jesus aus Neid ausgeliefert haben. Deshalb will er ihn unbedingt freilassen. Und dann geschieht etwas, das ihn darin noch bestärkt. Während er auf dem Richterstuhl sitzt, wird ihm von seiner Frau die Nachricht übermittelt: „Tu diesem Gerechten nichts, denn seinetwegen hatte ich heute einen schrecklichen Traum“ (der offensichtlich von Gott kam) (Matthäus 27:19).
Aber was kann Pilatus tun, um diesen unschuldigen Mann freizulassen?
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„Seht! Der Mensch!“Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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KAPITEL 129
„Seht! Der Mensch!“
MATTHÄUS 27:15-17, 20-30 MARKUS 15:6-19 LUKAS 23:18-25 JOHANNES 18:39 BIS 19:5
PILATUS VERSUCHT, JESUS FREIZUBEKOMMEN
DIE JUDEN WOLLEN, DASS BARABBAS FREIGELASSEN WIRD
JESUS WIRD VERSPOTTET UND MISSHANDELT
Pilatus hat zu der Menge, die Jesu Tod fordert, gesagt: „[Ich] finde . . . keine Bestätigung für eure Anschuldigungen. Auch Herodes konnte nichts feststellen“ (Lukas 23:14, 15). Nun versucht er etwas anderes, um Jesus freizubekommen, und fragt: „[Ihr] habt . . . doch den Brauch, dass ich am Passah jemanden freilasse. Wollt ihr also, dass ich den König der Juden freilasse?“ (Johannes 18:39).
Gerade befindet sich Barabbas, ein berüchtigter Räuber, Rebell und Mörder, in Haft. Pilatus stellt die Juden vor die Wahl: „Wen soll ich freilassen: Barabbas oder Jesus, den sogenannten Christus?“ Von den Oberpriestern aufgestachelt verlangt die Menge die Freilassung von Barabbas. Doch Pilatus fragt noch einmal: „Wen von den beiden soll ich freilassen?“ Und wieder rufen sie: „Barabbas!“ (Matthäus 27:17, 21).
Bestürzt antwortet Pilatus: „Und was soll ich mit Jesus, dem sogenannten Christus, machen?“ „An den Pfahl mit ihm!“, brüllen die Juden (Matthäus 27:22). Damit fordern sie die Hinrichtung eines Unschuldigen! Pilatus beschwört sie: „Warum? Was für ein Verbrechen hat dieser Mann denn begangen? Ich konnte nichts feststellen, wofür er den Tod verdient. Ich werde ihn also bestrafen und freilassen“ (Lukas 23:22).
Aber es ist zwecklos. Die hysterische Menge schreit nur noch lauter: „An den Pfahl mit ihm!“ (Matthäus 27:23). Die religiösen Führer haben die Leute so aufgehetzt, dass sie Blut sehen wollen. Und sie fordern nicht das Blut irgendeines Verbrechers oder Mörders, sondern das eines Unschuldigen, der erst fünf Tage zuvor in Jerusalem als König willkommen geheißen wurde. Falls auch Jünger Jesu in der Menge sind, verhalten sie sich lieber still und unauffällig.
Pilatus muss einsehen, dass all seine Bemühungen zu nichts führen. Ein Tumult bahnt sich an, und um ihn abzuwenden, nimmt Pilatus etwas Wasser, wäscht sich vor allen die Hände und erklärt: „Ich bin unschuldig am Blut dieses Mannes. Das müsst ihr verantworten.“ Doch auch diese Geste bringt die Leute nicht zur Besinnung. Stattdessen rufen sie: „Sein Blut soll über uns und unsere Kinder kommen!“ (Matthäus 27:24, 25).
Pilatus ist es wichtiger, die Juden zufriedenzustellen, als das zu tun, wovon er weiß, dass es richtig wäre. Darum gibt er nach und lässt Barabbas frei. Dann gibt er den Befehl, Jesus zu entkleiden und auszupeitschen.
Nach dieser qualvollen Tortur bringen die Soldaten Jesus in die Residenz von Pilatus, wo sich die gesamte Truppeneinheit um ihn versammelt und ihn weiter misshandelt. Die Soldaten flechten eine Dornenkrone und drücken sie auf seinen Kopf. Dann geben sie ihm ein Schilfrohr in die rechte Hand und werfen ihm ein purpurrotes Gewand über, wie es nur hochrangige Persönlichkeiten tragen. Voller Verachtung spotten sie: „Sei gegrüßt, du König der Juden!“ (Matthäus 27:28, 29). Sie spucken ihn an und schlagen ihm ins Gesicht. Außerdem schlagen sie ihm mit dem stabilen Schilfrohr auf den Kopf und die spitzen Dornen der erniedrigenden „Krone“ bohren sich noch tiefer in seine Kopfhaut.
Bei alldem zeigt Jesus eine außergewöhnliche Würde und Stärke. Das beeindruckt Pilatus so sehr, dass er einen weiteren Versuch unternimmt, Jesus nicht hinrichten zu müssen. Er sagt zu den Juden: „Seht! Ich bringe ihn zu euch hinaus, damit ihr wisst, dass ich keine Schuld an ihm finde.“ Denkt er, sie bekommen vielleicht doch noch Mitleid, wenn sie den blutenden und misshandelten Jesus sehen? Als Jesus vor der kaltherzigen Menge steht, ruft Pilatus aus: „Seht! Der Mensch!“ (Johannes 19:4, 5).
Aus Pilatus’ Worten sprechen Mitleid und Respekt für diesen Mann, der trotz der Schmerzen und Wunden eine unglaubliche Würde und Ruhe ausstrahlt.
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Zur Hinrichtung ausgeliefert und abgeführtJesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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KAPITEL 130
Zur Hinrichtung ausgeliefert und abgeführt
MATTHÄUS 27:31, 32 MARKUS 15:20, 21 LUKAS 23:24-31 JOHANNES 19:6-17
PILATUS BEMÜHT SICH ERNEUT, JESUS FREIZUBEKOMMEN
JESUS WIRD VERURTEILT UND ZUR HINRICHTUNG ABGEFÜHRT
Obwohl die Römer Jesus aufs Übelste misshandelt und lächerlich gemacht haben, sind die Oberpriester und ihre Komplizen immer noch nicht bereit einzulenken. Sie wollen Jesus um jeden Preis tot sehen und hören nicht auf, zu schreien: „An den Pfahl mit ihm! An den Pfahl mit ihm!“ Da sagt Pilatus: „Nehmt ihn und richtet ihn selbst hin. Ich finde keine Schuld an ihm“ (Johannes 19:6).
Die Juden konnten Pilatus nicht davon überzeugen, dass Jesus aufgrund einer politischen Anklage den Tod verdient. Aber wie steht es mit einem religiösen Vergehen? Sie kommen auf die Anklage zurück, um die es im Prozess vor dem Sanhedrin ging: Gotteslästerung. „Wir haben ein Gesetz“, sagen sie zu Pilatus, „und nach diesem Gesetz muss er sterben, denn er hat sich selbst zum Sohn Gottes gemacht“ (Johannes 19:7). Dieser Vorwurf ist für Pilatus neu.
Er zieht sich wieder zurück. Was kann er nur tun, um diesen Mann freizubekommen, der unter der schlimmsten Behandlung nicht eingeknickt ist? Seinetwegen hatte Pilatus’ Frau sogar einen Traum! (Matthäus 27:19). Und was hat es mit dieser neuen Anklage auf sich — dass der Gefangene sich zum „Sohn Gottes“ gemacht hat? Pilatus weiß zwar, dass Jesus aus Galiläa kommt (Lukas 23:5-7). Aber was, wenn Jesus wirklich schon einmal gelebt hat und vielleicht sogar göttlicher Herkunft ist? Pilatus fragt ihn deshalb: „Woher kommst du?“ (Johannes 19:9).
Doch Jesus schweigt. Er hat Pilatus bereits gesagt, dass er ein König ist und sein Königreich kein Teil dieser Welt. Da gibt es nichts hinzuzufügen. Pilatus fühlt sich durch Jesu Schweigen aber in seinem Stolz verletzt und sagt verärgert: „Weigerst du dich etwa, mit mir zu reden? Weißt du nicht, dass ich die Macht dazu habe, dich freizulassen oder dich hinzurichten?“ (Johannes 19:10).
„Du hättest gar keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben gewährt worden wäre“, erwidert Jesus ruhig. „Deshalb hat der, der mich dir ausgeliefert hat, größere Schuld“ (Johannes 19:11). Dabei denkt er wahrscheinlich an niemand Bestimmtes. Er meint einfach nur, dass Kaiphas und seine Komplizen sowie Judas Iskariot eine viel größere Schuld trifft als Pilatus.
Pilatus ist von Jesus tief beeindruckt und gleichzeitig wächst seine Befürchtung, er könnte wirklich göttlichen Ursprungs sein. Darum wagt er einen weiteren Anlauf, ihn freizulassen. Doch die Juden kontern mit einem neuen Argument, das Pilatus einschüchtert. Sie drohen: „Wenn du diesen Mann freilässt, bist du kein Freund Cäsars. Jeder, der sich selbst zum König macht, stellt sich gegen Cäsar“ (Johannes 19:12).
Der Statthalter bringt Jesus noch einmal nach draußen vor die Menge, setzt sich auf seinen Richterstuhl und sagt: „Seht! Euer König!“ Doch die Juden bleiben hart. „Weg mit ihm! Weg mit ihm! An den Pfahl mit ihm!“, schreien sie. Pilatus fragt: „Euren König soll ich hinrichten?“ „Wir haben keinen König außer Cäsar“, behaupten die Oberpriester — und das, wo die Juden sich seit Langem über die Herrschaft der Römer ärgern! (Johannes 19:14, 15).
Da gibt Pilatus feige den unerbittlichen Forderungen der Juden nach und liefert Jesus zur Hinrichtung aus. Die Soldaten ziehen ihm den purpurfarbenen Mantel aus und seine Obergewänder wieder an. Dann wird er abgeführt. Dabei muss er seinen Marterpfahl selbst tragen.
An diesem Freitag, den 14. Nisan geht es mittlerweile auf Mittag zu. Jesus ist seit Donnerstagmorgen wach und hat seitdem eine Tortur nach der anderen erlebt. Der Pfahl ist einfach zu schwer für ihn und schließlich verlassen ihn seine Kräfte. Darauf zwingen die Soldaten einen Passanten — Simon aus Kyrene in Afrika — den Pfahl für ihn zum Hinrichtungsort zu tragen. Unzählige Menschen folgen ihnen. Sie klagen und schlagen sich vor Trauer an die Brust.
Jesus sagt zu den trauernden Frauen: „Töchter Jerusalems, hört auf, über mich zu weinen. Weint stattdessen über euch und über eure Kinder, denn seht, es kommen Tage, da wird man sagen: ‚Glücklich sind die unfruchtbaren Frauen, die Mutterleiber, die nicht geboren, und die Brüste, die nicht gestillt haben!‘ Man wird dann zu den Bergen sagen: ‚Fallt auf uns!‘, und zu den Hügeln: ‚Bedeckt uns!‘ Wenn man das alles tut, solange der Baum saftig ist, was erst, wenn er vertrocknet ist?“ (Lukas 23:28-31).
Jesus spricht von der jüdischen Nation. Sie ist wie ein sterbender Baum, in dem noch etwas Leben ist, denn Jesus ist noch auf der Erde und eine Reihe Juden glauben an ihn. Doch wenn Jesus stirbt und seine Jünger sich vom Judentum abwenden, wird die Nation geistig so vertrocknet sein wie ein toter Baum. Wenn dann die Römer als Gottes Urteilsvollstrecker kommen, wird die Trauer groß sein!
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Der König leidet am PfahlJesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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KAPITEL 131
Der König leidet am Pfahl
MATTHÄUS 27:33-44 MARKUS 15:22-32 LUKAS 23:32-43 JOHANNES 19:17-24
JESUS WIRD AN EINEN MARTERPFAHL GENAGELT
DIE INSCHRIFT, DIE ÜBER JESUS ANGEBRACHT WIRD, LÖST SPOTT AUS
JESUS STELLT EIN LEBEN IM PARADIES AUF DER ERDE IN AUSSICHT
Jesus wird aus Jerusalem hinausgeführt. In der Nähe der Stadt befindet sich Golgotha, die Schädelstätte, die man „von Weitem“ sehen kann (Markus 15:40). Dort soll Jesus zusammen mit zwei Räubern hingerichtet werden.
Die drei Verurteilten werden entkleidet und bekommen Wein angeboten, der mit Myrrhe und bitterer Galle vermischt ist. Offensichtlich haben Frauen aus Jerusalem dieses betäubende Mittel zubereitet und die Römer verwehren es den Todgeweihten nicht. Doch als Jesus den Wein probiert, lehnt er ihn ab. Bei seiner größten Prüfung will er im Vollbesitz seiner Sinne bis zum Schluss treu sein.
Jesus wird auf den Pfahl gelegt (Markus 15:25). Dann schlagen die Soldaten Nägel durch seine Hände und Füße. Schrecklich sind die Schmerzen, als die Nägel durch Fleisch und Sehnen dringen. Unerträglich die Qualen, als der Pfahl aufgerichtet wird und das Gewicht des Körpers an den Nagelwunden zerrt. Doch statt die Soldaten zu beschimpfen, betet Jesus: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Lukas 23:34).
In der Regel bringen die Römer über dem Verurteilten ein Schild an, das über sein Verbrechen informiert. Auf dem Schild, das Pilatus an Jesu Pfahl anbringen lässt, steht: „Jesus, der Nazarener, der König der Juden“, und zwar auf Hebräisch, Lateinisch und Griechisch, damit möglichst viele es lesen können. Diese Inschrift spiegelt Pilatus’ Verachtung für die Juden wider, die auf Jesu Hinrichtung bestanden haben. Aber die Oberpriester protestieren: „Schreib nicht: ‚Der König der Juden‘, sondern dass er behauptet hat: ‚Ich bin König der Juden.‘ “ Pilatus will sich jedoch nicht mehr von ihnen ausnutzen lassen und erwidert: „Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben“ (Johannes 19:19-22).
Passanten hören, wie die aufgebrachten Priester die falschen Zeugenaussagen wiederholen, die im Sanhedrin gegen Jesus vorgebracht wurden. Da schütteln sie abfällig den Kopf und spotten: „Ha! Du wolltest doch den Tempel abreißen und in drei Tagen wieder aufbauen! Dann rette dich selbst und komm vom Marterpfahl herunter!“ Auch die Oberpriester und Schriftgelehrten spotten untereinander: „Andere hat er gerettet, aber sich selbst kann er nicht retten! Der Christus, der König von Israel, soll jetzt vom Marterpfahl herunterkommen, damit wir es sehen und glauben können!“ (Markus 15:29-32). Sogar die Räuber rechts und links von Jesus beleidigen ihn, obwohl er als Einziger völlig unschuldig ist.
Und auch die vier römischen Soldaten verspotten Jesus. Sie halten ihm ihren sauren Wein hin und machen sich wohl darüber lustig, dass er ihn nicht erreichen kann. Dann höhnen sie: „Wenn du der König der Juden bist, dann rette dich selbst“, und nehmen dabei auf die Inschrift Bezug (Lukas 23:36, 37). Das muss man sich einmal vorstellen! Ausgerechnet der Mann, der bewiesen hat, dass er der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, wird beleidigt und verspottet. Doch er lässt das alles über sich ergehen, ohne jemandem Vorwürfe zu machen — weder den Juden, die zusehen, noch den römischen Soldaten, die ihn verspotten, noch den beiden Verbrechern neben ihm.
Die vier Soldaten nehmen Jesu Obergewänder, zerteilen sie in vier Stücke und werfen Lose, wer welches bekommt. Bei seinem Untergewand beschließen sie allerdings, es nicht zu zerreißen, da es eine sehr gute Qualität hat. Es hat „keine Naht“, sondern ist „von oben bis unten durchgewebt“. Daher sagen sie: „Wir wollen . . . durch das Los entscheiden, wer es bekommt.“ Dadurch erfüllt sich die Schriftstelle: „Sie verteilten meine Gewänder unter sich und verlosten meine Kleidung“ (Johannes 19:23, 24; Psalm 22:18).
Einem der Verbrecher ist mittlerweile klar geworden, dass Jesus wirklich ein König sein muss. Er weist den anderen deshalb zurecht: „Hast du denn gar keine Gottesfurcht, wo dich doch das gleiche Urteil getroffen hat? Uns geschieht es ja recht. Wir bekommen für unsere Taten das, was wir verdienen. Aber dieser Mann hat nichts Schlechtes getan.“ Dann bittet er Jesus inständig: „Denk an mich, wenn du in dein Königreich kommst“ (Lukas 23:40-42).
Jesus antwortet ihm: „Ich versichere dir heute: Du wirst mit mir im Paradies sein“ (Lukas 23:43). Anders als seinen Aposteln verspricht er ihm nicht, dass er mit ihm im Königreich sein und auf einem Thron sitzen wird (Matthäus 19:28; Lukas 22:29, 30). Ursprünglich hatte Jehova für Adam, Eva und ihre Nachkommen ein Paradies auf der Erde gemacht. Als Jude ist das dem Verbrecher sicher bekannt. Mit der Hoffnung auf das Paradies vor Augen kann er nun sterben.
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„Dieser Mann war wirklich Gottes Sohn“Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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KAPITEL 132
„Dieser Mann war wirklich Gottes Sohn“
MATTHÄUS 27:45-56 MARKUS 15:33-41 LUKAS 23:44-49 JOHANNES 19:25-30
JESUS STIRBT AM PFAHL
JESU TOD WIRD VON AUSSERGEWÖHNLICHEN EREIGNISSEN BEGLEITET
Es ist mittlerweile Mittag, „die sechste Stunde“, als „über das ganze Land eine Finsternis“ hereinbricht, die „bis zur neunten Stunde“, also 15 Uhr, andauert (Markus 15:33). Diese unheimliche Dunkelheit entsteht nicht durch eine Sonnenfinsternis, die ja nur bei Neumond auftreten kann. Jetzt ist aber gerade Passah und damit die Zeit des Vollmonds. Außerdem dauert eine Sonnenfinsternis nur ein paar Minuten, diese Finsternis hingegen drei Stunden. Sie muss also von Gott kommen!
Stellen wir uns vor, wie sich die Finsternis auf die auswirkt, die Jesus verspottet haben! Nun nähern sich vier Frauen dem Marterpfahl. Es ist Jesu Mutter zusammen mit Salome, Maria Magdalene und Maria, der Mutter des Apostels Jakobus des Kleineren.
Der Apostel Johannes steht neben den trauernden Frauen „beim Marterpfahl“. Maria blickt auf den Sohn, den sie geboren und aufgezogen hat und der nun Todesqualen leidet. Es ist, als würde sie „ein langes Schwert durchbohren“ (Johannes 19:25; Lukas 2:35). Obwohl Jesus schreckliche Schmerzen hat, denkt er an das Wohl seiner Mutter. Er bringt alle seine Kräfte auf, deutet mit dem Kopf auf Johannes und sagt: „Frau, das ist jetzt dein Sohn!“ Dann deutet er mit dem Kopf auf Maria und sagt zu Johannes: „Das ist jetzt deine Mutter!“ (Johannes 19:26, 27).
Offenbar ist Jesu Mutter mittlerweile verwitwet und seine Halbbrüder glauben noch nicht an ihn. Deshalb vertraut er sie dem Apostel an, den er besonders liebt. So stellt er sicher, dass nicht nur für ihre physischen Bedürfnisse gesorgt ist, sondern auch für ihre geistigen. Was für ein großartiges Beispiel!
Um die Zeit, als die Finsternis endet, sagt Jesus: „Ich habe Durst.“ Dadurch erfüllt sich, was in den Schriften prophezeit wurde (Johannes 19:28; Psalm 22:15). Jesus spürt, dass sein Vater ihm den Schutz entzogen hat, damit seine Integrität bis aufs Äußerste geprüft werden kann. Da ruft er: „Eli, Eli, lama sabachthani?“ Das ist wahrscheinlich ein galiläischer Dialekt des Aramäischen und bedeutet: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Einige, die dabeistehen, verstehen nicht, was er meint, und sagen: „Seht mal! Er ruft Elia.“ Einer taucht schnell einen Schwamm in sauren Wein, steckt ihn an ein Schilfrohr und hält ihn Jesus zum Trinken hin. Aber andere sagen: „Wir wollen sehen, ob Elia kommt und ihn herunterholt“ (Markus 15:34-36).
Dann ruft Jesus aus: „Es ist vollbracht!“ (Johannes 19:30). Ja, er hat alles erfüllt, wozu ihn sein Vater auf die Erde gesandt hat. Schließlich sagt er: „Vater, deinen Händen vertraue ich meinen Geist an“ (Lukas 23:46). Er vertraut Jehova seine Lebenskraft in der unerschütterlichen Zuversicht an, dass er ihn wieder auferwecken wird. Dann senkt er den Kopf und stirbt.
Da beginnt die Erde heftig zu beben und Felsen spalten sich. Das Beben ist so stark, dass außerhalb von Jerusalem Gräber aufbrechen und Leichname freigelegt werden. Passanten, die die Toten daliegen sehen, gehen „in die heilige Stadt“ und berichten davon (Matthäus 27:51-53).
Im Tempel wird in dem Moment, wo Jesus stirbt, der lange, schwere Vorhang, der das Heilige vom Allerheiligsten trennt, von oben bis unten entzweigerissen. Dieses Phänomen ist ein Ausdruck von Gottes Zorn auf die Mörder seines Sohnes. Außerdem zeigt es an, dass von nun an der Weg ins Allerheiligste, also in den Himmel, frei ist (Hebräer 9:2, 3; 10:19, 20).
Verständlicherweise bekommen es die Menschen mit der Angst zu tun. Der für die Hinrichtung zuständige Offizier ruft aus: „Dieser Mann war wirklich Gottes Sohn“ (Markus 15:39). Möglicherweise war er bei Jesu Verhör vor Pilatus dabei, als es darum ging, ob Jesus Gottes Sohn sei. Jetzt ist der Mann davon überzeugt, dass Jesus gerecht und wirklich Gottes Sohn ist.
Andere laufen, von den Ereignissen völlig überwältigt, nach Hause und schlagen sich dabei vor Scham und Trauer „die ganze Zeit an die Brust“ (Lukas 23:48). Unter denen, die alles von Weitem beobachten, sind auch viele Frauen, die Jesus hin und wieder auf seinen Reisen begleitet haben. Auch sie sind von den Ereignissen tief erschüttert.
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Jesu BegräbnisJesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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KAPITEL 133
Jesu Begräbnis
MATTHÄUS 27:57 BIS 28:2 MARKUS 15:42 BIS 16:4 LUKAS 23:50 BIS 24:3 JOHANNES 19:31 BIS 20:1
JESUS WIRD VOM PFAHL GENOMMEN
JESU LEICHNAM WIRD FÜR DAS BEGRÄBNIS VORBEREITET
FRAUEN FINDEN EIN LEERES GRAB VOR
An diesem 14. Nisan ist es mittlerweile später Nachmittag. Nicht mehr lange, dann geht die Sonne unter und der Sabbat beginnt. Jesus ist bereits tot, doch die beiden Räuber neben ihm leben noch. Gemäß dem Gesetz darf ein Leichnam „nicht über Nacht am Stamm bleiben“, sondern muss noch „am selben Tag“ beerdigt werden (5. Mose 21:22, 23).
Dazu kommt, dass Freitag auch Vorbereitungstag ist. Die Leute bereiten die Mahlzeiten für den nächsten Tag vor und erledigen alles, was nicht bis nach dem Sabbat warten kann. Diesmal beginnt bei Sonnenuntergang sogar ein „großer“ Sabbat (Johannes 19:31). Der 15. Nisan ist nämlich der erste Tag des siebentägigen Festes der ungesäuerten Brote und damit immer ein Sabbat, unabhängig davon, welcher Wochentag gerade ist (3. Mose 23:5-7). Und da diesmal der 15. Nisan auf den regulären Sabbat fällt, ist er ein „großer“ Sabbat.
Daher bitten die Juden Pilatus, den Verurteilten die Beine brechen zu lassen. So wird ihr Tod beschleunigt, weil sie sich nicht mehr abstützen können, um zu atmen. Zuerst brechen die Soldaten den beiden Räubern die Beine. Doch da Jesus anscheinend schon tot ist, brechen sie ihm die Beine nicht. So erfüllt sich Psalm 34:20: „Er behütet alle seine Gebeine. Kein Knochen ist ihm gebrochen worden.“
Um sicherzugehen, dass Jesus wirklich tot ist, stößt ihm ein Soldat einen Speer in die Seite. Der Speer dringt bis in die Herzgegend ein und sofort fließen „Blut und Wasser“ heraus (Johannes 19:34). So erfüllt sich die Schriftstelle: „Sie werden den anschauen, den sie durchstochen haben“ (Sacharja 12:10).
Bei der Hinrichtung ist auch ein gewisser Joseph dabei, „ein reicher Mann“ aus der Stadt Arimathia und geachtetes Mitglied des Sanhedrins (Matthäus 27:57). Er ist ein „guter und gerechter Mann“, der „auf Gottes Königreich wartet“. Joseph hat das Todesurteil des Hohen Rats nicht unterstützt, da er „ein Jünger Jesu“ ist — „aus Angst vor den Juden aber nur ein heimlicher“ (Lukas 23:50; Markus 15:43; Johannes 19:38). Nun bringt Joseph den Mut auf, Pilatus um Jesu Leichnam zu bitten. Sobald Pilatus von dem zuständigen Offizier die Bestätigung bekommt, dass Jesus wirklich tot ist, gewährt er ihm die Bitte.
Joseph holt den Leichnam vom Pfahl herunter und wickelt ihn in sauberes, feines Leinen, das er dafür gekauft hat. Nikodemus, „der Mann, der Jesus am Anfang einmal bei Nacht aufgesucht hatte“, hilft ihm bei den Vorbereitungen für das Begräbnis (Johannes 19:39). Nikodemus hat auch rund 30 Kilogramm einer kostbaren Mischung aus Myrrhe und Aloe mitgebracht. Dem jüdischen Brauch entsprechend wickeln sie den Leichnam mit den aromatischen Substanzen in Leinenbinden ein.
Dann legen sie ihn in der Nähe in ein unbenutztes, in den Fels gehauenes Grab, das Joseph gehört. Zuletzt wird ein großer Stein davorgewälzt. Bei alldem müssen sie sich sehr beeilen, um vor dem Sabbat fertig zu werden. Maria Magdalene und Maria, die Mutter von Jakobus dem Kleineren, helfen ihnen wahrscheinlich bei den Vorbereitungen. Dann eilen die Frauen nach Hause, „um aromatische Substanzen und duftende Öle zu bereiten“ und den Leichnam nach dem Sabbat weiterzubehandeln (Lukas 23:56).
Am nächsten Tag, dem Sabbat, gehen die Oberpriester und Pharisäer zu Pilatus und sagen: „Wir erinnern uns, dass dieser Betrüger, als er noch lebte, gesagt hat: ‚Nach drei Tagen werde ich auferweckt.‘ Ordne deshalb an, das Grab bis zum dritten Tag zu sichern, damit seine Jünger nicht kommen und ihn stehlen und dann zu den Leuten sagen: ‚Er ist von den Toten auferweckt worden!‘ Dieser letzte Betrug wäre noch schlimmer als der vorherige.“ Pilatus antwortet: „Ich stelle euch Wachsoldaten zur Verfügung. Geht und sichert das Grab, so gut ihr könnt“ (Matthäus 27:63-65).
Am Sonntagmorgen gehen Maria Magdalene, Maria, die Mutter von Jakobus, und ein paar andere Frauen in aller Frühe zum Grab. Sie wollen Jesu Leichnam weiter mit den aromatischen Substanzen behandeln und überlegen: „Wer wird uns wohl den Stein vom Grabeingang wegwälzen?“ (Markus 16:3). Doch es hat ein Erdbeben gegeben und ein Engel Gottes hat den Stein weggerollt. Die Wachen sind weg und das Grab ist leer!
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