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Erwachet! 1998
g98 8. 8. S. 5-7

Sollte man die Erinnerung an die Vergangenheit wachhalten?

„KÖNNEN die Juden den Holocaust vergessen?“ Diese Frage stellte Virgil Elizondo, Leiter des mexikanisch-amerikanischen Kulturzentrums in San Antonio (Texas). Sie führt einem vor Augen, daß sich die Grausamkeiten des 20. Jahrhunderts unauslöschlich in das kollektive Gedächtnis einprägen können. Der Genozid an den Armeniern (1915 bis 1923) und das Massaker unter den Kambodschanern (1975—1979) müssen ebenfalls zu den Grausamkeiten des 20. Jahrhunderts gerechnet werden. Doch damit ist die Liste bei weitem noch nicht vollständig.

In dem Versuch, zwischen den Opfern und ihren Peinigern eine Versöhnung herbeizuführen, haben religiöse und politische Führer bisweilen die Menschen dazu aufgerufen, die erlittenen Grausamkeiten zu vergessen. Das geschah beispielsweise 403 v. u. Z. in Athen (Griechenland). Die Stadt hatte gerade das Ende der unterdrückenden Diktatur der Dreißig Tyrannen miterlebt, einer Oligarchie, die fast alle ihre Gegner im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Weg geräumt hatte. Die neuen Herrscher versuchten, den zivilen Frieden wiederherzustellen, indem sie für die Anhänger der früheren Tyrannei eine Amnestie (von einem griechischen Wort, das „Vergessen“ oder „Vergebung“ bedeutet) erließen.

Vergessen per Erlaß?

Es scheint eine verhältnismäßig einfache Lösung zu sein, die Erinnerungen an die Grausamkeiten, die an unschuldigen Menschen verübt wurden, per Erlaß auszulöschen. Politiker tun dies vielleicht aus Nützlichkeitserwägungen, wie das im alten Griechenland der Fall war und auch in verschiedenen europäischen Ländern nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. In Italien wurde 1946 beispielsweise eine Amnestie für über 200 000 Bürger erlassen, die „mehr oder weniger bedeutend an den Untaten des faschistischen Regimes beteiligt gewesen waren“, das berichtete die Zeitung La Repubblica.

Die Beschlüsse von Regierungen oder öffentlichen Institutionen sind eine Sache, die Gefühle der einzelnen Mitglieder einer Gemeinschaft hingegen eine ganz andere. Es ist nicht möglich, einzelne Bürger, die brutalen Konflikten, Massakern oder anderen Greueltaten wehrlos ausgesetzt waren, durch einen Erlaß zu zwingen, das Leid, das sie in der Vergangenheit erlitten haben, zu vergessen.

Allein in den Kriegen des 20. Jahrhunderts sind über 100 Millionen Menschen ums Leben gekommen, viele von ihnen, nachdem sie unsagbar gelitten haben. Würde man noch all die Menschen hinzuzählen, die in Friedenszeiten massakriert wurden, würde die Zahl der Greueltaten ins Unermeßliche steigen. Viele Menschen setzen alles daran, von alldem nichts in Vergessenheit geraten zu lassen.

Personen, die die Erinnerungen gern getilgt sähen

Personen, die die Opfer von Greueltaten oder deren Nachkommen drängen, zu vergeben und zu vergessen, behaupten oftmals, daß es nur zu Entzweiungen führt, wenn man sich an Vergangenes erinnert, insbesondere wenn bereits Jahrzehnte ins Land gegangen sind. Sie sagen, Vergessen vereine, wohingegen Erinnern das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen könne, so tragisch das Geschehen auch gewesen sei.

In dem Versuch, Menschen zum Vergessen zu bewegen, haben sich manche sogar dazu verstiegen, die entsetzlichsten Verbrechen gegen die Menschheit zu leugnen. Durch die Schützenhilfe von selbsternannten Historikern behaupten sie beispielsweise, es habe nie einen Holocaust gegeben.a Sie haben sogar Fahrten zu ehemaligen Vernichtungslagern wie Auschwitz und Treblinka organisiert und Besuchern erzählt, es habe an diesen Orten niemals Gaskammern gegeben — und das trotz des erdrückenden Beweismaterials in Form von Dokumenten und zahllosen Augenzeugenberichten.

Wieso haben derartige falsche „revisionistische“ Ideen in bestimmten Kreisen Erfolg? Weil einige Personen es vorziehen, sich ihrer persönlichen Verantwortung und der ihres Volkes zu entziehen. Warum? Die Gründe sind Nationalismus, die eigene Ideologie und antisemitische oder ähnliche Gefühle. Sobald die Grausamkeiten vergessen seien, so schlußfolgern „revisionistische“ Historiker, verliere sich die Verantwortung. Aber viele Menschen stellen sich diesen verantwortungslosen „Revisionisten“, die ein französischer Historiker „Mörder des Gedächtnisses“ nannte, vehement entgegen.

Sie vergessen nicht

Es ist für die Überlebenden offensichtlich schwierig, zu vergessen, daß sie durch den Krieg oder durch Greueltaten liebe Angehörige verloren haben. Die meisten Menschen, die die Erinnerung an die Massaker und Genozide wachhalten wollen, tun dies jedoch in der Hoffnung, daß die Lehren, die man aus ihrem Leid und dem Leid ihrer Angehörigen zieht, dabei helfen werden, derartige Brutalitäten nicht zu wiederholen.

Die deutsche Regierung beschloß deshalb, den Tag, an dem sich die Entdeckung der Greueltaten der Nationalsozialisten im Konzentrationslager Auschwitz jährt, zum Tag des Gedenkens zu erklären. Der Zweck ist nach Aussage des deutschen Bundespräsidenten folgender: „Die Erinnerung darf nicht enden; sie muß auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen.“

Auch Papst Johannes Paul II. erklärte anläßlich des 50. Jahrestags des Endes des Zweiten Weltkriegs: „Die Erinnerungen dürfen mit den Jahren nicht verblassen; vielmehr sollen sie unserer und den kommenden Generationen eine ernste Lehre sein.“ Man muß allerdings sagen, daß die katholische Kirche im Gedenken an die Opfer und die Grausamkeiten jener Jahre nicht immer konsequent ist.

Damit künftige Generationen aus den Genoziden im 20. Jahrhundert und in vorangegangenen Jahrhunderten etwas lernen, hat man eine Reihe Museen eröffnet, wie das Holocaust Memorial Museum in Washington (D. C.) und das Beit Hashoah Museum of Tolerance in Los Angeles. Aus dem gleichen Grund sind bewegende Dokumentationen und sonstige Filme zu diesem Thema veröffentlicht worden. Dadurch versucht man zu verhindern, daß die Menschheit aus dem Gedächtnis verliert, wie sehr Menschen unter Menschen zu leiden haben.

Warum sich erinnern?

„Wenn man sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist man verurteilt, sie zu wiederholen“, schrieb George Santayana, ein amerikanischer Philosoph spanischer Herkunft. Leider scheint es, wenn man die Jahrtausende betrachtet, daß die Menschheit ihre Vergangenheit schnell vergißt und deshalb dazu verurteilt ist, immer und immer wieder dieselben schmerzlichen Fehler zu begehen.

Die lange und grausame Serie der durch Menschenhand verübten Massenmorde zeigt nachdrücklich, daß die Herrschaft des Menschen über den Menschen ein vollkommener Fehlschlag gewesen ist. Warum ist das der Fall? Weil der Mensch immer wieder denselben grundlegenden Fehler begangen hat: Er hat Gott und dessen Gesetze abgelehnt (1. Mose 3:1-6; Prediger 8:9). Und wie die Bibel vorhersagte, begeht heute eine ‘verdrehte Generation’ exakt denselben Fehler und erntet die Früchte (Philipper 2:15; Psalm 92:7; 2. Timotheus 3:1-5, 13).

Da wir den Schöpfer, Jehova, in unsere Abhandlung mit einbezogen haben, stellt sich die Frage: Wie sieht er das Ganze? Was vergißt er, und was behält er in Erinnerung? Kann das schmerzliche Vermächtnis menschlicher Grausamkeiten überwunden werden? Wird „die Schlechtigkeit der Bösen ein Ende nehmen“? (Psalm 7:9).

[Fußnote]

a Informationen über die lügnerischen Argumente von „revisionistischen“ Historikern sind in dem Artikel „Der Holocaust — Es gab ihn wirklich!“ im Erwachet! vom 8. April 1989 zu finden.

[Herausgestellter Text/Bilder auf Seite 7]

„Wenn man sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist man verurteilt, sie zu wiederholen“ (George Santayana)

Krematorium und Ofen im KZ Auschwitz

[Bildnachweis]

Oświęcim Museum

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