Von Engeln fasziniert
„Wir alle haben Engel, die uns führen und über uns wachen“. „Wenn wir sie in Ruhe lassen und ihnen wie Kinder in vollkommenem Vertrauen, in Liebe und demütiger Dankbarkeit begegnen, werden sie uns überwältigend segnen. Sie spielen mit uns. Sie sorgen für uns. Sie heilen uns, berühren uns, streicheln uns mit unsichtbaren warmen Händen und versuchen stets, uns das zu geben, was wir wünschen“ (aus dem Buch „Die Nähe deiner Engel“).
MAN kommt nicht umhin, diesem volkstümlichen Bild von Engeln eine gewisse Anziehungskraft zuzugestehen. Folgt man der von manchen so genannten „neuen Religiosität“, ist für jeden von uns mindestens ein Engel abgestellt, der die Aufgabe hat, uns zu trösten und vor Schaden zu bewahren. Unser Engel sei, so heißt es, sowohl mächtig als auch liebevoll. Er verlange keinen Gehorsam, erwarte nicht, angebetet zu werden, und werde uns nie verurteilen oder tadeln. Stets um unser Wohl besorgt und beflissen, uns jeden Wunsch zu erfüllen, weiche er uns nie von der Seite. Nicht wenige heutzutage glauben das allen Ernstes.
An Engel zu glauben ist natürlich nichts Neues. Seit jeher spielen sie in den Glaubensansichten der Menschen eine maßgebliche Rolle. Deutlich wird das in der Kunst. Stiftshütte und Tempel der Juden im Altertum waren geschmückt mit Darstellungen von Cheruben, einer Engelart. Kirchen und Kathedralen überall in der Christenheit sind mit Engeln geschmückt. Gemälde und Skulpturen von Engeln füllen Museen.
Engel sind in Mode
In letzter Zeit sind Engel in manchen Ländern ausgesprochen in Mode gekommen. Filme stellen Engel häufig als verstorbene Menschen dar, die zur Erde zurückkehren, um Gutes zu tun. Ein Film handelt von Engeln, die einer schwachen Baseballmannschaft helfen. In einem anderen Film hilft ein Schutzengel einem Teenager, den Mord an seiner Freundin zu rächen. Auch eine beliebte Fernsehserie in den USA dreht sich um die Thematik helfender Engel.
Lieder über Engel gibt es in Hülle und Fülle. In den Vereinigten Staaten wurden in den letzten Jahrzehnten so gut wie in jedem zehnten erfolgreichen Lied Engel erwähnt. Bis Mitte der 90er Jahre waren in Amerika über 120 „Engelboutiquen“ eröffnet worden. Solche Läden verkaufen kleine Engelstatuen sowie Anhänger, Schreibwaren, ja sogar Babyrasseln mit Engelmotiven. In Seminaren und Veröffentlichungen bringt man den Leuten vermeintlich bei, wie man zu diesen himmlischen Wesen Kontakt aufnimmt. In Zeitungen, Zeitschriften und Talk-Shows wird über Begegnungen von Menschen mit Engeln berichtet.
Hunderte von Büchern
Dazu kommen noch die vielen Bücher. In einer großen Buchhandlung in New York werden über 500 verschiedene Bücher angeboten, die von Engeln, insbesondere Schutzengeln, handeln. Dem potentiellen Leser wird versprochen, er werde darin erfahren, wie man mit Schutzengeln in Kontakt treten, ihre Namen erfahren, mit ihnen reden und sich ihrer Hilfe versichern könne. Viele Geschichten in solchen Büchern handeln davon, wie Engel in Notsituationen erschienen seien und Menschen vor heranbrausenden Autos gerettet, von tödlichen Krankheiten geheilt, in Bedrängnis getröstet sowie Soldaten auf dem Schlachtfeld beschützt hätten. Die Engel würden diese Dienste leisten, „ohne irgendwelche Zeichen von Reue, Bekehrung oder Glauben an bestimmte Lehren zu fordern“. Allerdings werden Menschen durch solche neuzeitlichen „Begegnungen“ in den seltensten Fällen dazu bewegt, in ihrem Leben etwas zu ändern. Personen, die derlei Erfahrungen gemacht haben wollen, bleibt gewöhnlich nur ein angenehmes Gefühl.
In einer Zeit, die von Streß und Krisen geprägt ist, klingen solche Geschichten vielleicht wie eine unglaublich gute Nachricht. Kann man sich aber darauf verlassen? Und ist das wirklich wichtig?
[Herausgestellter Text auf Seite 4]
Viele glauben, sie seien Engeln persönlich begegnet