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  • Vier Saiten und ein Bogen
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Erwachet! 1979
g79 8. 1. S. 24-26

Vier Saiten und ein Bogen

Vom „Awake!“-Korrespondenten in Australien

ALS der italienische Geigenvirtuose Niccolò Paganini 1828 in Wien spielte, versetzte seine unglaubliche Geschicklichkeit und Technik die gesamte Stadt in einen Taumel der Begeisterung. Dichter schrieben über seine „dämonische“ Virtuosität. In Gaststätten benannte man Gerichte nach ihm. Konditoren schufen violinenförmige Torten. Paganinis Bild erschien auf allen möglichen Gegenständen — von der Puderdose über die Halsbinde bis zum Billardstock.

Vielleicht löst ein Geiger, der klassische Musik spielt, bei dir keine derartige Begeisterung aus. Aber es könnte ja sein, daß du über eine schwermütige, doch leidenschaftliche Zigeunerweise — gespielt auf einer Violine — gerührt bist. Oder hörst du gern die „Fidel“ einer ländlichen Tanzkapelle? Wenn du natürlich jemand zuhörst, der erst versucht, dieses Instrument zu meistern, erinnert dich der Klang seiner Violine vielleicht an eine Katze, die erwürgt wird.

Eine gut gespielte Violine dagegen erzeugt Klänge, die fast wie die menschliche Stimme alle Stimmungen und Gefühle zum Ausdruck bringen können. Das löst schon seit Jahrhunderten bei zahllosen Leuten Freude und Begeisterung aus. Viele verbringen ihr ganzes Leben damit, Violinen herzustellen, zu spielen oder nur zu sammeln. Allerdings ist die Herkunft dieses Instruments noch geheimnisumwoben.

Wußtest du, daß heute noch Violinen gespielt werden, die vor mehr als 300 Jahren hergestellt wurden? Allen Experimenten, wissenschaftlichen Analysen und Verbesserungen zum Trotz sind die besten heute gebauten Violinen diesen jahrhundertealten Meisterstücken in Qualität und Klang nicht ebenbürtig und schon gar nicht überlegen.

Frühe Anfänge

Die Violine wurde zum erstenmal Mitte des 16. Jahrhunderts in ihrer heutigen Form hergestellt. Aber auch viele ältere Instrumente tragen ihre typischen Merkmale.

Das rybybe beispielsweise hatte vier in Quinten gestimmte Saiten, war oval und hatte einen abgesetzten Hals. Es wurde an der Schulter oder am Knie gespielt. Die fydyl (davon ist der Ausdruck „Fidel“ abgeleitet) hatte wahrscheinlich drei Saiten. Sie war auch in Quinten gestimmt und hatte ein Griffbrett ohne Bünde (Querleisten). Sie wurde an der Schulter gehalten und mit einem fydylstyck gespielt. Das orientalische Rebec, das gälische crowth und die griechische Lyra haben mit der Violine einige Merkmale gemein. Allerdings besteht Ungewißheit darüber, wer in Wirklichkeit die verschiedenen Eigenschaften in der endgültigen Form der Violine vereinigt hat — eine Form, die seit 400 Jahren im wesentlichen gleichgeblieben ist.

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts stellten norditalienische Handwerker wie Gasparo da Salò und Andrea Amati (der Begründer einer lange bestehenden Schule von Geigenbauern) schöne Violinen her. Im 17. und frühen 18. Jahrhundert erreichte die Geigenbaukunst einen Höhepunkt, den sie nie mehr erreicht hat.

Hervorragende Geigenbauer

Würdest du für eine Violine 250 000 Dollar bezahlen? Annähernd diese Geldsumme gab 1972 jemand für eine Violine von Antonio Stradivari (1644—1737) aus, der heute noch als der hervorragendste Geigenbauer Italiens gilt. Nach dem Tode Amatis im Jahre 1684 erfuhren Stradivaris Violinen eine merkliche Formveränderung. Gründe dafür waren Stradivaris ständige kleine Experimente mit der Formgebung, den Abmessungen und der Bauart. Seine Instrumente erreichten eine außergewöhnliche Klangfülle und Brillanz und waren von hervorragender Verarbeitung. Im Laufe der Zeit zählten seine Violinen zur Spitzenklasse.

Von den rund 1 100 Instrumenten, die Stradivari gebaut haben soll (er war bis zu seinem Tod im Alter von 93 Jahren tätig), gibt es heute nachweislich noch 540 Violinen, etwa 50 Violoncelli und 10 Violen. Gespielt werden nur noch ungefähr 50 dieser schönen Instrumente, die entworfen und gebaut wurden, um das Ohr zu erfreuen, wozu sie auch immer noch imstande sind. Die übrigen Exemplare betrachtet man möglicherweise als zu wertvoll oder zu schön, als daß man sie regelmäßig spielen dürfte. Sie werden in Glaskästen aufbewahrt, um anstelle eines Hörgenusses einen Schaugenuß zu bieten.

Andere Geigenbauer — besonders bekannt ist Guiseppe Antonio Guarneri (1683—1745) — bauten auch viele ungewöhnlich gute Instrumente. Allerdings stellt man Qualitätsschwankungen sowohl unter den Violinen verschiedener Hersteller als auch den Instrumenten des gleichen Herstellers fest. Sogar bei den „Stradivaris“ gibt es gute und weniger gute Instrumente. Nichtsdestoweniger sind selbst die weniger wertvollen „Stradivaris“ gute Instrumente.

Woran erkennt man, ob die eine hervorragende Violine der anderen überlegen ist? Auf diese Frage gibt es eigentlich keine Antwort. Hin und wieder hat man Experten gebeten, dem Spiel verschiedener Instrumente zuzuhören und das auszuwählen, das vom besseren Geigenbauer hergestellt wurde. Selten waren die Ergebnisse überzeugend. Letzten Endes geht es dabei um die persönliche Wahl des Geigers, das Gefühl für das Instrument und auch um die Art der Musik, die darauf gespielt werden soll.

Veränderungen an Violine und Bogen

Seit der Zeit Stradivaris wird der Hals der Violine nicht mehr parallel, sondern im Winkel zum Violinenkorpus angebracht. Der Tonumfang wurde erweitert, der Steg erhöht und das Griffbrett verlängert, abgesehen von anderen Änderungen kleinerer Art. Ein größerer Griffbereich, gesteigerte Brillanz und ein durchdringenderer Ton sind das Ergebnis.

Der Bogen selbst wurde Anfang des 18. Jahrhunderts revolutionären Änderungen unterzogen. François Tourte (1747—1835) baute in Paris den ersten Bogen, dessen Stab zur Bespannung hin gebogen war, und legte für den Bogen eine Standardlänge fest. Er entdeckte, daß Pernambukholz aus Brasilien das ideale Material war, und stellte für die Auswahl des Haars der Bespannung Regeln auf (150 bis 250 Haare von weißen Pferden). Andere Details wie die Abstufung in der Stärke des Stabes und die Lage des Bogenschwerpunkts wurden geändert.

Die Musiker erkannten schnell, welch nützliche Beiträge Tourte leistete, und überhäuften ihn mit Aufträgen. Von da an legte er den Standard für die Bogenherstellung fest. Sogar heute noch werden seine Bogen benutzt. Ein Goldbogen von Tourte hätte heute einen Wert von ungefähr 20 000 Dollar. Der erfahrene Geiger kann mit dem modernen Bogen einen kräftigeren Ton erzeugen, weil er für größeren Druck besser geeignet ist. Für manche Musikstücke aber kann die alte Art von Bogen Vorteile haben.

Geigenbau heute

Was ist der wichtigste Faktor bei der Herstellung einer guten Violine? Warum sind die heutigen Geigenbauer nicht imstande, den Klang dieser älteren Violinen zu erreichen und zu verbessern? Auch darüber herrscht Uneinigkeit. Viele glauben, daß die Qualität des verwendeten Holzes, die Abmessungen des Instruments und die Geschicklichkeit des Geigenbauers zu den entscheidenden Faktoren gehören. Andere dagegen schreiben dem Lack die bedeutendste Rolle zu. Sie glauben, daß diese alten Instrumente deshalb unübertroffen sind, weil die früheren Meister heute unbekannte Lackzusammensetzungen verwendeten.

So wie damals treffen die heutigen Geigenbauer die Auswahl des für die Resonanz wichtigen Holzes mit extremer Sorgfalta. Es wird in ungefähr 4 Zentimeter dicke Platten gesägt und bis zu zehn Jahre lang zum Trocknen gelagert. Die Decke (der eigentliche Klangkörper der Violine), der Baßbalken und der Stimmstock werden gewöhnlich aus weicher Tanne oder Fichte mit gerader Maserung hergestellt. Der Boden, die Zargen (Seitenteile), der Hals und der Wirbelkasten sowie der Steg werden meist aus Ahorn, einem härteren Holz, gefertigt. Das Griffbrett und der Saitenhalter sind aus Ebenholz.

Man verwendet eine Schablone, um die Umrisse des Bodens und der Decke aufzuzeichnen. Diese Teile werden mit einer Bügelsäge ausgeschnitten. Mit Hobeln und kleinen Schabern arbeitet der Geigenbauer geschickt und mit großer Genauigkeit die Abstufung der Holzstärke heraus, die an manchen Stellen nur 2 Millimeter beträgt. Die Zargen — dünn wie die Wände einer Streichholzschachtel — werden erhitzt und in Form gebogen. In die winkligen Ecken werden Klötze aus Kiefer oder Weide geleimt, um die Zargen zu verstärken. Am Rand von Boden und Decke werden zwei Ebenholz- und ein Ahornstreifen eingelegt, was man als „Flödel“ bezeichnet. Diese Streifen sind dekorativ und verhindern, daß sich das Holz spaltet. In der Decke werden sorgfältig die F-Löcher ausgeschnitten, und dann klebt man die Teile zusammen. Weder Nagel noch Schraube werden verwendet.

Als nächstes kommt das Lackieren. Ein unlackiertes Instrument wird nach ungefähr 10 Jahren seinen Klang verlieren, ein richtig lackiertes dagegen so gut wie überhaupt nicht. Während der Zusammenbau einer Violine zwei bis drei Wochen dauert, kann das Lackieren ebenso viele Monate in Anspruch nehmen. Die Zusammensetzung und das Auftragen des Lackes können ein in der Form gelungenes Instrument vervollkommnen oder verderben. Wird der Lack zu dick aufgetragen oder ist er zu hart in der Zusammensetzung, kann der Klang beeinträchtigt werden.

Das Instrument wird gebeizt, mit drei Grundierungen, acht weiteren Anstrichen, einem Farbauftrag und einem Überzugslack versehen.

Die Violine spielen

Vielleicht fragst du dich, warum das Instrument in der Hand eines Anfängers so unerfreuliche Töne von sich gibt.

Das Violinenspiel stellt an den Lernenden besondere Anforderungen. Ein feines musikalisches Gehör ist unentbehrlich. Die Violine zwischen Kinn und Schulter richtig zu plazieren, die Finger an die richtige Stelle der Saiten zu legen (die Violine hat ja keine Bünde) und auf die Richtung und den Druck des Bogens zu achten — all das zu erlernen erfordert viel Zeit und Ausdauer. Selbst wenn man es bereits beherrscht, muß man noch viel hinzulernen, bevor man ein Musikstück in ansprechender Weise spielen kann. Jemand, der die nötige Zeit und den Wunsch hat, die Anstrengungen zu unternehmen, kann es Freude bereiten, mit vier Saiten und einem Bogen Musik zu machen.

Wenn du also das nächste Mal einem guten Geiger zuhörst, denkst du vielleicht an all die Mühe, die es ihn gekostet hat, bis er das Instrument so gut beherrschte, auch an die vielen Geigenbauer, die während der Jahrhunderte sowohl die Violine als auch den Bogen vervollkommneten, und an den Handwerker, der das Instrument hergestellt hat, an dessen Klängen du dich erfreust. Solltest du beim Durchstöbern deiner „Rumpelkammer“ auf die alte Violine stoßen, die deine Großmutter immer gespielt hat, dann vergiß nicht, daß dir da eventuell ein Meisterwerk in die Hände gefallen ist, das ein Vermögen kostet. Selbst wenn das nicht zutrifft, fühlst du dich vielleicht versucht, mit vier Saiten und einem Bogen Musik zu machen.

[Fußnote]

a Eine genaue Beschreibung der Violinenherstellung findet man in der Erwachet!-Ausgabe vom 8. Juni 1971, S. 20.

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